Mannheim

Koch, Yoga-Lehrerin, Einzelhändlerin – drei Mannheimer Unternehmer ziehen eine Zwischenbilanz

Mannheimer Unternehmen ziehen Zwischenbilanz: „Eine zweite Welle wäre mein Aus“

Frisch Gekochtes im Weckglas, Sockenlieferung mit dem Fahrrad und digitaler Yoga-Unterricht. Ob Gastronomie, Einzelhandel oder Freizeitbranche: Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmer zum Umdenken gezwungen. Im Kampf um die eigene Existenz sollten alternative Konzeptideen den Erhalt von Betrieben sichern und Gewinneinbußen reduzieren. Dennoch bleiben die Umsätze vieler Unternehmen aus, Festkosten müssen aber weiterhin bezahlt werden. Um Mannheimer Unternehmen zu unterstützen, hat das Stadtmagazin ILMA die Aktion #HilfMA initiiert und zur Spende für bedrohte Betriebe aufgerufen. Nun ziehen drei der 43 Teilnehmer eine Zwischenbilanz zur aktuellen Situation – das Fazit ist zwiespältig.

Normalität noch weit entfernt

„Wir sind durch die Pandemie von einem prosperierenden Unternehmen komplett auf Null heruntergefahren“, sagt Klaus Frontzek, Inhaber des Cateringdiensts RatzFatz. Seit knapp einem Jahrzehnt beliefert er die Schulmensa des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums in Neckarau sowie zwei weitere Firmen, bietet aber auch Koch- und Team-Building-Kurse an. „Durch die Schulschließung und das Home-Office ist meine Haupteinnahmequelle eingebrochen“, schildert der 57-Jährige. „Als Caterer hat man keine Stammkundschaft wie herkömmliche Restaurants.“

Die Schulmensa hat zwar wieder geöffnet, Frontzek ist aber trotzdem noch „meilenweit von der Normalität entfernt.“ Bei halbem Schulbetrieb komme es nur zu wenigen Bestellungen am Tag. Dabei setzt der 57-Jährige nun auf Nachhaltigkeit, serviert das Essen im Glas zum Mitnehmen, damit auch Eltern und Anwohner ordern. Unterstützung bekommt er auch von der Schülerschaft. „Die Schülervertretung hat eine große Hilfsaktion gestartet, Masken genäht und verkauft, um die Werbetrommel für ihn zu rühren und den Erlös an ihn zu spenden“, sagt Heike Dänekamp aus der Schulleitung. Nach den Sommerferien solle die Schule wieder in den Normalbetrieb gehen. An eine zweite Infektionswelle möchte Frontzek nicht denken: „Das würde mein Aus bedeuten.“

Katharina Mehring von Yoga-Affairs erfüllte sich im Januar ihren Traum vom eigenen Studio in der Kunststraße. Neun Wochen nach der Eröffnung musste sie aufgrund des Virus schließen. „Wirtschaftlich gesehen ist dieses Jahr für mich gelaufen. Uns wurde die Chance genommen, zu wachsen“, sagt die Yoga-Lehrerin.

Schnell stand fest, Online-Unterricht anzubieten. „Ich dachte, ich gehe niemals in meinem Leben vor eine Kamera“, sagt die 42-Jährige. Trotzdem baute sie das kostenlose Angebot aus, auch weil es auf positive Resonanz gestoßen sei. Deutlich positiver beschreibt Isabelle Kempf, Inhaberin des „Faire Mode“-Ladens Umgekrempelt, die Situation. Für die 37-Jährige war klar, ihre Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit zu schicken. „Also habe ich über Nacht lauter neue Jobs erfunden“, sagt die Einzelhändlerin.

Kempf hat während des Lockdowns den Online-Store und den Auftritt in Sozialen Netzwerken ausgebaut, ohne dabei in das klassische Onlinegeschäft einzusteigen. Deshalb erfolgte die Lieferung von Socken, Unterhosen und Geschenkartikeln – Produkte, die nicht anprobiert werden müssen – mit dem Fahrrad. Geliefert wurde im Umkreis von 30 Kilometern.

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