Mannheim

Ausstellung 20-Jähriger zeigt Fotografien im Schloss

Mateo Hamann blickt auf Frankfurt

Sein Vater hat sich als gebürtiger Mannheimer mit den legendären "New York Verticals" fotografisch längst ein Denkmal gesetzt, nun lässt auch sein Sohn ein erstes Mal die Kamera für sich sprechen - und schafft damit eine Premiere im doppelten Sinne.

Mit seinen Hochhaus-Ansichten aus Frankfurt zeigt der 20-jährige Mateo Hamann im Westflügel des Mannheimer Schlosses nicht nur Impressionen bekannter Wolkenkratzer. Er weiht damit auch einen Raum künstlerischer Freiheit ein, den Absolventum, das Alumni-Netzwerk der Universität, ab sofort dazu nutzen will, die Werke mutiger Fotografen einem größeren Publikum bekannt zu machen.

Ein Anlass, den sich der ehemaliger Universitäts-Direktor Wolfgang Arndt nicht entgehen lässt, war er doch einer der Treiber dieses Projekts. Vor zwei Jahren von Horst Hamann zum Spaziergang an den Rhein gebeten, ob seinem Sohn nicht ein "Brotberuf" samt solidem Studium besser zu Gesicht stünde, stellt Arndt nach einem eingehenden Gespräch fest: Dieser junge Mann ist von der Kunst felsenfest überzeugt - "und wenn man das von einem 18-Jährigen sagen kann, ist das doch wirklich eine Gnade", wie der Jurist entschieden feststellt.

Auch wenn Mateo Hamann in den Räumen der Universität lediglich ein Dutzend seiner Bilder präsentiert, zeigt sich in jedem Motiv die Raffinesse eines Künstlers, der im Zeitalter der Digitalisierung ein wichtiges Zeichen setzt: Sich Zeit zu lassen, wenn es darauf ankommt.

Blick unter die Oberfläche

Ganze 60 000 Bilder, erzählt er im Gespräch, hat Mateo Hamann in den sechs Jahren des Projekts aufgenommen, zum Sonnenaufgang und am späten Abend ebenso vor den Bauwerken gestanden wie in Frühling und Sommer, Sonne und Regen. Und wenngleich er sich nicht allzu sehr von seinem Vater beeinflussen lassen wollte, so blieb doch eine Entscheidung immer gleich: Dieser eine entscheidende Blick muss es sein, der gilt - pur und unbearbeitet. Ob Mateo Hamann den Messeturm im Lichtspiel der Farben wie eine Ziehharmonika präsentiert, der Main Tower in kühl arrangiertem Blau zum verbundenen Gewebe elektrifizierter Zellen avanciert oder Trianon und Silberturm in ihrer ganzen verschatteten Pracht sichtbar werden: Hamann ist dem Gigantismus der epischen Wohlfahrtsgebilde mit Achtsamkeit begegnet.

Nicht nur Sabine Müller, die auf das Foto der Europäischen Zentralbank blickt, findet: "Diese Bilder sind einfach ein Traum, der nicht nur die Oberfläche zeigt, sondern in die Tiefe, manchmal fast schon durchblicken lässt. Das ist so facettenreich, so besonders, so einzigartig." mer