Mannheim

Fasnacht Roland Hartung lässt Zukunft der beliebten Veranstaltung mit leichter Muse offen

Matinee wird abgesagt

Archivartikel

Mannheim.Sie bekommen derzeit viele Anrufe, ob sie es nicht doch irgendwie machen wollen – aber es geht nicht: Das Ehepaar Angelika und Roland Hartung hat die beliebte Matinee mit dem Nationaltheaterorchester abgesagt; ganz unabhängig davon, ob sie am geplanten Termin am 7. Februar überhaupt im Rosengarten stattfinden dürfte oder nicht.

„So etwas jetzt zu planen, wäre doch einfach Quatsch“, findet Roland Hartung mit Blick auf die Infektionsgefahren deutliche Worte. Die beliebte Veranstaltung unter Corona-Bedingungen durchzuführen, „das will man sich nicht vorstellen“. Selbst wenn das derzeitige Veranstaltungsverbot im Februar nicht mehr gelten würde, dürfte nach den Abstandsregeln auf der Bühne nicht einmal die Hälfte des Orchesters sitzen, im 2300 Personen fassenden Mozartsaal maximal 500 Zuhörer.

„Die Matinee lebt von einem vollen Saal, der Interaktion zwischen einem gut gelaunten Dirigenten und einem gut gelaunten Publikum“, betont Hartung. „Wenn der Laden nicht voll ist, haben wir keine passende Atmosphäre“, bekräftigt er. Hinzu komme die wirtschaftliche Seite: Die Kalkulation sei schon bei einem ausverkauften Saal „auf Kante genäht“, so aber „nicht darstellbar“.

Schließlich hat das Ehepaar Hartung den Vormittag mit Operettenmelodien, Walzern und Märschen stets auf eigenes Risiko ausgerichtet – und oft draufgelegt. Die Idee dazu entstand 1980. Hartung, damals CDU-Fraktionsvorsitzender, trat als Oberbürgermeister-Kandidat gegen Wilhelm Varnholt an und wollte Wahlkampf mal anders machen, mit beschwingter Muse und heiterer Conférence. Das war seinerzeit noch im Musensaal – und auf Anhieb ein Erfolg, der eine unglaubliche Eigendynamik entwickelte und längst Kultstatus erreicht hat. Ab dem fünften Jahr wagte Hartung den Umzug in den größeren Mozartsaal – der ist seither stets restlos ausverkauft.

Auf eigene Rechnung

Immer blieb Roland Hartung alleiniger Veranstalter. Nicht seine Partei, die CDU, auch später nie die MVV, als er deren Vorstandsvorsitzender war, spielten eine Rolle. Nur als Privatmann machte er die Veranstaltung, auf eigene Rechnung vom Wohnzimmer in Käfertal aus, mit ganz kräftiger Hilfe seiner Frau Angelika und von Gisela Selbitschka, seiner früheren Sekretärin. Es sei „einfach unser privater Beitrag, um den Leuten eine Freude zu machen“, wie es Roland Hartung einmal formulierte.

Einen wichtigen Erfolgsgaranten stellte stets Karl-Heinz Bloemeke dar. Der frühere Kapellmeister am Nationaltheater (1981 bis 1985), längst auch als Professor der Musikhochschule Detmold im Ruhestand, ist weiter ein gefragter Dirigent. Er kommt gerne jedes Jahr eigens für diese Matinee wieder nach Mannheim und begeistert die Zuhörer, weil er leichte Muse exzellent präsentiert und dazu stets galant wie feinsinnig-ironisch moderiert.

Ob es den Vormittag mit Kultstatus weiter gibt, lässt Roland Hartung bewusst offen. „Das wissen wir heute einfach noch nicht – auch wegen unseres Alters müssen wir auf Sicht fahren“, bittet der 84-Jährige um Verständnis. Es sei „ein großer organisatorischer Aufwand, und wir wissen einfach nicht, ob wir es 2022 noch schaffen“, so Hartung.

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