Mannheim

Delegation UMM und Stadt helfen bei Strahlentherapie

Medizin-Brücke aus Mannheim nach Usbekistan

Bei Medizin-Tagungen werden üblicherweise neue, teilweise noch experimentelle Erkenntnisse vorgestellt. Bei der Premiere eines radioonkologischen Kongresses in Taschkent ging es hingegen um Grundlagen der Strahlentherapie und realisierbare Perspektiven für Zentralasien. Die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) will beim Aufbau der in Usbekistan nahezu unbekannten Fachdisziplin unterstützen. Außerdem hat die Stadt eine Partnerschaft angeboten.

Nur ein Linearbeschleuniger

Zahlen sprechen für sich: In der einstigen sowjetischen Teilrepublik Usbekistan gibt es für 32 Millionen Menschen gerade mal einen Linearbeschleuniger. Solcherart Geräte zu installieren , reiche nicht, betont Alexej Swerdlow von dem Mannheimer Unternehmen Opasca, das sich auf Systeme für Strahlentherapie spezialisiert hat. Es gelte „Knowhow“ zu transferieren und dafür Kooperationen aufzubauen.

Deshalb hielt Frederik Wenz, Leiter der UMM-Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, am Wochenende bei dem wegweisenden Kongress nicht nur als Schirmherr Vorträge. Das Mannheimer Universitätsklinikum hat sich bereit erklärt, über die Tagung hinaus Expertise beim Planen von Versorgungsstrukturen zu gewähren. Das, so Wenz, gehe aber nur mit professionellen Fachkräften – ob Ärzte, Medizinphysiker oder Assistenzpersonal. Ausbilden und Qualifizieren seien deshalb als erster Schritt unerlässlich, zumal fast bei null begonnen werden muss. In dem Medizinsystem des Vielvölkerstaates an der alten Seidenstraße spielte die auf teure Hightech-Anlagen angewiesene Radioonkologie bislang so gute wie keine Rolle – vor allem aus finanziellen Gründen. Doch jetzt beginnt sich das Land zu stabilisieren.

„Wir wollen in Usbekistan, wo einiges in Bewegung kommt, Mannheim als Standort für Medizintechnologie präsentieren“, erläuterte Claudius Kranz, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat, das Anliegen der Stadt, die er bei der Reise offiziell vertrat. Für die politische Dimension spricht, dass die Mannheimer Delegation am Tag vor dem medizinischen Wochenendprogramm im Gesundheitsministerium empfangen wurde – auch von Regierungsvertretern. Der Kongress, so Swerdlow, solle als Brücke zwischen Usbekistan und Deutschland dienen, jedenfalls beim Aufbau einer landesweiten Strahlentherapie. Und die gilt in West-Europa längst als wichtige Säule bei der Bekämpfung bösartiger Tumore.