Mannheim

Geburtstag Stadtrat und Arzt Jens J. Kirsch wird 80 / Stiftung gegründet

Mediziner mit viel Kunstsinn plant jetzt Ausstellungen

Archivartikel

Er ist wieder gut zu Fuß, kann wieder Fahrradfahren und hat „noch genug Arbeit für die nächsten 20 Jahre!“ Gut gelaunt feiert Jens J. Kirsch, populärer Arzt und einer der dienstältesten CDU-Stadträte, heute seinen 80. Geburtstag. Er freut sich, da er im Mai nicht mehr kandidiert, derzeit keinen Wahlkampf machen und bald keine kommunalpolitische Verantwortung mehr tragen zu müssen. Dafür geht er neue Aufgaben an – als großer, engagierter Kunstförderer.

Kirsch plant gerade mehrere Ausstellungen, dazu einen Katalog, ferner ein Buch – alles für die Stiftung „Sammlung Kirsch“. Die hat Kirsch 2012 mit seiner Familie gegründet, gewidmet Hans Christiansen (1866–1945). Er gilt als der führende Wegweiser und Protagonist des Jugendstils in Deutschland nicht nur in der Malerei, sondern ebenso der Druck- und Plakatkunst.

Katalog und Buch

Vor über 30 Jahren hatten Kirsch und seine Frau Barbara zunächst ein Werk erworben. Sie begeisterten sich dann so an der üppigen Farbenpracht seiner Landschaftsbilder, dass nach und nach die umfangreichste Privatsammlung mit über 80 Gemälden und Grafiken, dazu Plakaten und Postkarten von Hans Christiansens Bildwerken entstand. Mit der Stiftung will Kirsch erreichen, dass die Sammlung als Ganzes erhalten, kunsthistorisch erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Zuletzt gaben sie Leihgaben an die Mathildenhöhe Darmstadt, Museen in Berlin, München und an die Kunsthalle.

Auch in der Politik hatte sich Kirsch zuletzt der Kunstförderung verschrieben, ist kulturpolitischer Sprecher der Fraktion. Lange nur passives CDU-Mitglied, wurde im Zuge des Stadion-Streits aus dem Vater von fünf Kindern (und jetzt Opa von elf Enkeln) ein Politiker.

Nach zehn Jahren im Bezirksbeirat kam er 1994 (mit enormem Sprung auf der Liste nach oben) in den Gemeinderat, war zeitweise stellvertretender Kreis- und Fraktionsvorsitzender. Mit Adelheid Weiß initiierte er die Aktion „Kunst-Paten“ für die Kunsthalle, ging mehrfach mit gutem Beispiel voran und ist, politisch wie finanziell, stets ein großer Förderer der Kunsthalle.

Sonst war Parteipolitik nie so sein Ding, manchmal eckte er auch (bewusst und gerne) in der CDU wie in der Öffentlichkeit an. Aber Kirsch wollte nie stromlinienförmig sein. Dass er die Haare oft gegen den Strich bürstet, Fliege trägt – das war das Zeichen, dass der passionierte Jäger Individualist geblieben ist, sich seine eigene Persönlichkeit bewahrt hat. Gerade das machte ihn, über die Parteigrenzen hinaus, populär.

Enddarm-Spezialist

In Hannover als ältestes von drei Kindern geboren, kam er nach Medizinstudium und Weiterbildung 1970 als wissenschaftlicher Marketingleiter zu Boehringer Mannheim (heute Roche). 1977 folgten ein Jahr in London und zwei am Theresienkrankenhaus, ehe er sich 1980 mit damals vier Partnern selbstständig machte.

Das Körperteil, auf dem andere sich ausruhen, ließ ihm keine Ruhe. Er nahm sich des bis dahin vernachlässigten Gebiets der viele Menschen drückenden Enddarmleiden an, gründete das „Enddarm-Zentrum“, das er 2012 abgab. Er machte daraus eine europaweit führende Institution dieser Disziplin und wurde international gefragter Fachmann. Damit die Forschung nicht ruht, stiftete er – als langjähriger Ehrenpräsident der Deutschen Koloproktologen – 2011 den „Jens Kirsch Preis“ für den jeweils besten Vortrag bei der Jahrestagung der Deutschen Koloproktologen.