Mannheim

Corona-Virus In türkischen und asiatischen Supermärkten finden Kunden gut gefüllte Regale, ohne anstehen zu müssen

Mehl, Nudeln und Reis palettenweise vorhanden

Der große Ansturm blieb aus, keine 20 Menschen standen morgens um kurz vor 8 Uhr vor einem großen Supermarkt auf der Vogelstang und warteten auf Einlass. „Ich bin schon seit 15 Minuten hier“, erzählt eine Frau, sie muss eigentlich zur Arbeit, aber sie hofft, dass sich die kleine Verspätung lohnt. Sie hat sich keinen Einkaufswagen genommen, sie will auch nur schnell zwei Produkte kaufen: Mehl und Toilettenpapier. In der Hand hält sie den aktuellen 50-seitigen Werbeprospekt. Sie hatte darin unter den vielen Angeboten zwei besondere entdeckt: Mehl und Toilettenpapier. Eigentlich hat sie beides noch, „aber ich weiß nicht wie lange das noch anhält“.

Als die Tür sich öffnete, fingen die Ersten an zu rennen, die einen nach rechts in Richtung Mehl, die anderen nach links zum Toilettenpapier. Mitten im Gang standen die Paletten. Die Mitarbeiter gaben Anweisungen, dass nur eine Packung pro Haushalt abgegeben wird. Und nach nur fünf Minuten war der Spuk vorbei, drei Paletten Toilettenpapier und eine Palette Mehl waren verkauft. „Wir bekommen drei Mal die Woche Warenlieferung“, sagte ein Mitarbeiter einem Kunden, „ich denke, dass da nochmals was von der Angebotsware kommt.“

Eine letzte Packung Reis stand in einem völlig leeren Regal, ansonsten kein Mehl, keine Nudeln, keine Konserven mehr, auch H-Milch ist aus: Die leeren Regale in deutschen Supermärkten vermitteln den Eindruck eines Notstands – der aber definitiv keiner ist. Denn die Ware ist nicht ausverkauft, sie ist nur ungleichmäßig verteilt. Es gibt Nudeln, Reis, Mehl, Milch und Konserven in ausreichender Menge zu kaufen.

Während seit Tagen die Menschen in langen Schlangen für genau diese Produkte bei Lidl am Marktplatz anstehen müssen, hängt fast unbemerkt ein Quadrat weiter ein Schild im Schaufenster der Bäckerei Pasa Pastanesi in G 2: „Ab sofort Mehl zu verkaufen.“ Dort gibt es keine Schlangen, kein Anstehen und kein Warten, stattdessen eine freundliche Frage: „Wie viel Mehl wollen Sie?“ Es sei genügend da, so die Auskunft der Bäckerin. Gleich nebenan in H 1 und H 2 liegen zwei türkische Supermärkte. Dort stapeln sich Reis, Nudeln, Couscous und Konserven kisten-, säcke- und palettenweise bis unter die Decke. Und nicht nur das: Die Waren sind größtenteils auch noch im Angebot und deutlich reduziert: Nudeln gibt es wie gewohnt im 500-Gramm-Paket, sie heißen nur nicht „gut und günstig“ oder „ja!“, hier heißen sie „Ankara.“ Aber das ist auch der einzige Unterschied, letztlich enthalten alle dasselbe: 100 Prozent Hartweizen.

Ein ähnliches Bild gibt es auch beim Besuch der asiatischen Lebensmittelmärkte, auch dort stapeln sich die haltbaren Produkte bis unter die Decke. Wem ein Kilo Reis zu wenig ist, der kauft ihn günstiger im 5-, 10-, 20- oder 50-Kilogramm-Sack.

Nur beim Toiletten- und Küchenpapier sieht es schlecht aus. Jedoch bekommen alle Läden hin und wieder kleine Mengen, und wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann noch welches ergattern.

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