Mannheim

Mehr als 8000 Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Mannheim

Archivartikel

Mannheim.Weltweit haben sich am Freitag Menschen versammelt, um gemeinsam für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mehr als 8000 Menschen sind in Mannheim am frühen Abend nach offiziellen Angaben dabei, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Bereits um 12 Uhr - Stunden vor der eigentlichen Kundgebung am Abend am Alten Meßplatz -  kamen mehrere Dutzend Menschen auf den Vorplatz des Hauptbahnhofs, um Teil des globalen Klimastreiks "Friday for Future" zu sein.

Mit dabei ist auch die 12-jährige Rosa - unterstützt von ihrer Mutter Claudia und ihrer kleinen Schwester. "Ich bin da, weil ich mich für den Klimaschutz einsetzen möchte und weil ich schon immer an so einer Demo teilnehmen wollte", sagt sie. Jeden Freitag stelle sie in der Schule ein Schild mit der Aufschrift #FridaysforFuture auf ihren Tisch. Ihr Erdkundelehrer hätte sie sogar zu diesem Thema in der Klasse sprechen lassen. Sonst wäre sie unter ihren Klassenkammeraden eher eine Einzelkämpferin was den "Klimaschutz" angeht. Ihre Freunde würden aber am Abend zur großen Kundgebung dazustoßen. Vom Thema habe die Schülerin vor allem im Internet und in Zeitungsberichten erfahren. 

"Ich freue mich sehr, dass die Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future hartnäckig dranbleiben, immerhin geht es hier um nicht weniger als unser aller Zukunft", sagt die Mannheimer Abgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke). "Ich hoffe deswegen sehr, dass diese Demo die Größte sein wird, die die Stadt Mannheim je gesehen hat." Sie möchte sich den Demonstranten am Hauptbahnhof anschließen und hält die schnellstmögliche Stilllegung des Großkraftwerkes hier in Mannheim für das Mindeste, was die Politik beitragen kann.

Wie die Organisatoren von "Fridays for Future" (FfF) mitteilten, waren einige Teilnehmer auch am Mittag auf den Planken unterwegs. Mit sogenannten "Die-in"-Aktionen stellten sie sich vor der Deutschen Bank tot. Mit diesem gewaltlosen Widerstand gingen sie gegen die Finanzbank vor, die massiv in die Kohleindustrie investiere und generell viel Geld in umweltschädliche Technologien stecke. "Weitere Die-ins sind am Paradeplatz geplant", sagt ein Mitorganisator.

Und auch am Hauptbahnhof legt sich einer der Demonstranten auf den Boden, um einem Geldtransporter den Weg zu versperren. Den Versuch der Beamten, den jungen Mann zum Aufstehen zu bewegen, ignoriert der Demonstrant. Ein FfF-Organisator überzeugt ihn schließlich doch, den Weg frei zu machen. "Ist zwar ein Geldtransporter, aber die machen auch nur ihre Arbeit", sagt er.

Viele Interessierte informieren sich am Streikposten auf dem Vorplatz - und die FfF-Organisatoren klären sie auf: Um 17 Uhr beginnt die eigentliche Kundgebung. Vom Hauptbahnhof aus werden die Demonstranten sich Richtung Wasserturm bewegen und über die Planken ziehen. Am Marktplatz wird es dann eine Zwischenkundgebung geben. Der Höhepunkt des Tages ist die Großkundgebung auf dem Alten Meßplatz gegen 19 Uhr. "Wir wollen die Straßen zurückholen", sagen die Organisatoren. "Denn unser Klima können wir nur mit einer Verkehrswende retten."

Auf dem Boden sitzend spricht eine junge Chilenin über die indigene Volksgruppe Mapuche. "Wir sehen heute: Indigene Volksgruppen waren nicht verrückt, als sie sagten, dass das Wasser ausgehen und es dem Planeten immer schlechter gehen wird. Ich bin sehr dankbar, dass sich so viele junge Menschen für das Klima einsetzen." Wenn man die indigene Bevölkerung respektiert hätte, die sich gegen Kapitalismus und Globalisierung aussprach, würden wir heute eine andere Geschichte erzählen, meint sie zu den anderen jungen Demonstranten.

"There is no Planet B", "Zug statt Flug", "Regional, saisonal und fair #solawi", "Second hand ist auch eine Lösung", "Tofu never screams" - Die Plakate sehen alle ein wenig anders aus, die Forderungen und Meinungen auf ihnen variieren. Doch ein Ziel verfolgen sie alle: Den Klimawandel zu stoppen und unserem Planeten zu helfen.

Zum gemeinsamen Picknick haben die Organisatoren Baguette, Muffins, verschiedene Aufstriche, Nüsse und einen Zitronenkuchen gebracht. Außerdem können sich Demonstraten an den Kreiden bedienen und ihre Gedanken zum Klima auf den Betonboden auf dem Vorplatz vor dem Hauptbahnhof schreiben.

Familie Räsener ist mit ihrem zehn Monate alten Sohn Mattis zur Demo gekommen. "Es geht um die Zukunft unserer Kinder. Und für sie muss man aktiv sein", sagt Mama Katharina. Vater Marius fordert: 180 Euro pro Tonne CO2 bis zum Jahr 2025. "Je länger wird warten, desto schlimmer wird das alles. Und das ist keine Meinung, sondern es gibt wissenschaftliche Fakten. Selbst die Grünen fordern 40 Euro pro Tonne CO2. Das ist lächerlich." Magdalena Eich ist ebenfalls mit ihrer kleinen Familie mitgekommen. Ihr elf Monate alter Sohn Benno schläft gemütlich an ihrer Brust. Dem älteren Bruder hätte sie bereits erklärt, was es mit dem Klima auf sich hat - und der verstehe es durchaus. "Zum Beispiel, dass es regnet und im Winter Schnee fallen sollte. Wegen den Kleinen sind wir da."

Auch NTM-Schauspieler Samuel Koch ist dabei: "Wir haben alle den Auftrag, Verantwortung zu übernehmen, für diese Welt zu sorgen. Da ist die Teilnahme an dieser Demo nur ein kleines Zeichen. Aber es muss auch ein Handeln folgen - bei jedem Einzelnen und in der Politik."

Gegen 19.30 beginnt die Abschlusskundgebung am Alten Meßplatz. Evangelischer Stadtdekan Hartmann sagt in seiner Rede, dass er sich ganz genau dran erinnere "wie ein Häuflein von 150" durch die Planken marschiert sei. "Heute sind es 10 000. Aber wir müssen noch mehr werden." Sie seien als Christen, als Kirchen voll dabei, weil sie der Meinung seien, dass die Welt nicht uns gehört. "Wir haben sie geliehen bekommen und sind verantwortlich dafür, dass wir sie so an die nächste Generation weitergeben." Seiner Meinung nach wäre es nicht zu spät zu handeln. "Und das müssen wir jetzt tun."

"Wir fordern ganz klar einen Aktionismus, ein Umdenken in der Politik", sagt Sydney von der Verdi-Jugend: "Es kann nicht sein, dass die Klimakatastrophe auf dem Rücken von uns, den Schülern und Arbeitern, getragen wird." Auch die Chilenin Kiyen, die am Mittag gesprochen hatte, kommt zu Wort, ebenso wie Vertreter des Bündnisses für gerechten Welthandel und die "Fridays for Future"-Organisatoren. Jeden Sonntag um 13 Uhr würden sich die 15 FfF-Organisatoren in der Kulturbrücke im Jungbusch treffen, sagt FfF-Organisator Leon: "Wir freuen uns über jeden der mitmachen will. Wir machen die Klimawende von unten, wenn sie von oben eben nicht funktioniert."

Die Demo wird um Punkt 20 Uhr beendet.

Zum Thema