Mannheim

Justiz Vergewaltigung im Käfertaler Wald – Landgericht spricht Urteil und folgt dabei weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwältin

Mehr als vier Jahre Haft für 20-Jährigen

Am Ende dieses kurzen, aber intensiven Prozesses vor dem Mannheimer Landgericht um eine Vergewaltigung wirkt Mamadou D. fast schon erleichtert. Weniger wegen der Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten, mit der der 20-Jährige aus Guinea fast schon glimpflich davonkommt – sondern, weil er einen Schlussstrich unter eine Tat ziehen kann, von der ein sonst eher unbeteiligt wirkender Angeklagter in seinem letzten Wort dann doch voller Reue sagt: „Das passiert mir im Leben nie wieder.“

Zuvor sind die letzten Stunden vor der Großen Jugendstrafkammer um den Vorsitzenden Richter Joachim Bock von Aussprachen und den Plädoyers geprägt. Denn auch wenn Ekkart Hinney, der Verteidiger von Mamadou D., bereits am ersten Prozesstag eine geständige Erklärung im Namen seines Mandanten vorgetragen hatte – wie die Vergewaltigung an einer 36-Jährigen strafrechtlich zu bewerten ist, darüber sind sich die Verfahrensbeteiligten längst nicht einig.

Zunächst ist es die Jugendgerichtshelferin Julia Volker, die abermals die Fluchtbiografie des heute 20-Jährigen nachzeichnet. Volker beschreibt das Bild eines orientierungslosen Jugendlichen, der im Alter von neun Jahren seine Mutter verlor, im Familienverbund ausgestoßen wurde und aus politisch widrigen Verhältnissen mit gerade einmal 14 Jahren über Mali, Mauretanien und Spanien über Frankreich nach Deutschland floh. Trotz eines „Verlusts von Normalität“ habe er seinen Hauptschulabschluss gemacht, eine Lehre jedoch abgebrochen und sei den Drogen verfallen.

Opfer geschlagen

Gründe, die Staatsanwältin Kristin Sütterlin in ihrem Plädoyer nicht überzeugen, Mamadou D. nach Jugendstrafrecht zu bestrafen. Im Gegenteil, der junge Mann habe in der Nacht zum 22. November 2018 durch planvolles Vorgehen bewiesen, zu welch krimineller Energie er fähig sei. Zwar schließt auch Sütterlin nicht aus, dass es nach dem Aufeinandertreffen am Mannheimer Hauptbahnhof und der vergeblichen Suche nach der Jugendherberge am Wasserturm zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen gekommen sein könnte. Spätestens, als D. mit der Geschädigten an der Flüchtlingsunterkunft abgewiesen worden sei, habe ihn jedoch nichts zurückgehalten, erneut seinen Willendurchzusetzen. Mit „massiver Gewalt“ habe sich der 20-Jährige im Käfertaler Wald auf sein zierliches Opfer gesetzt, die Frau mehrfach ins Gesicht geschlagen und an der 36-Jährigen trotz heftiger Gegenwehr zweimal mit dem Finger sexuelle Handlungen vorgenommen. Mamadou D. ließ schließlich von ihr ab – dem Opfer gelang die Flucht.

Geständnis als Pluspunkt

Es sind Ausführungen, denen auch Ekkart Hinney an diesem Tag nicht viel hinzuzufügen hat. Zwar versucht der Verteidiger, den „brutalen Übergriff“ seines Mandanten als „Übersprungshandlung“ eines jungen Mannes und seinen Hoffnungen darzustellen. Am Ende hält das Urteil dem geständigen Täter jedoch nur zugute, dem Opfer eine detaillierte Aussage erspart zu haben und folgt ansonsten dem Antrag der Staatsanwältin.