Mannheim

Lesung Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel zu Gast

„Mehr Musiker als Autor“

Archivartikel

Früher war Sebastian Krumbiegel, einer der fünf Sänger von „Die Prinzen“, für seine ketchuprote Pumuckl-Frisur bekannt, was sein optisches Markenzeichen darstellte. Mittlerweile trägt der studierte Leipziger Musiker einen scharf rasierten und dunklen Irokesenschnitt. Darüber hinaus betätigt der ostdeutsche Allround-Künstler sich als Autor, mit politischen Einlassungen, um sich über das aktuelle Weltgeschehen klar zu werden und persönliche Erlebnisse mit seinen Fans zu teilen. Im Foyer des Käfertaler Kulturhauses gastierte Oberprinz Krumbiegel im Rahmen eines „Kulturcafé Special“ für eine musikalische Lesung mit Stehpult und E-Piano.

Im März 2012 war Krumbiegel schon mal solistisch im Käfertaler Kulturhaus aufgetreten. Und ja, seine stimmgewaltige Stammband „Die Prinzen“ existiert noch. „2021 werden wir unser 30-jähriges Jubiläum feiern. Wir bereiten gerade eine neue Platte vor und sammeln dafür Songs“, verriet er den 30 Besuchern.

Erinnerung an Revolution 1989

Im Kulturhaus-Foyer setzte sich der 53-Jährige eine Lesebrille auf, um einige ausgewählte Kapitel aus seinem vor zweieinhalb Jahren erschienenen Erinnerungsbuch „Courage zeigen“ vorzulesen. „Eigentlich bin ich viel mehr Musiker als Autor“, räumte er ein.

Krumbiegel erinnerte sich an die friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989 mit den Montagsdemonstrationen, an denen er selbst teilgenommen hatte. „Das war schon bitter, man kam sich da vor wie ein Katastrophentourist“, berichtete er von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der sozialistischen Staatsmacht. „Wenn ich die Bilder gerade in Hongkong sehe, habe ich extreme Flashbacks“, betonte er.

Zwischendurch setzte sich der 53-Jährige an ein Fender-Rhodes-Piano, wie es Ray Charles zu Lebzeiten verwendet hatte, und stimmte etliche Lieder an wie „Der schönste Junge aus der DDR“, was 1989 der erste Hit der Prinzen-Vorgänger-Kapelle Herzbuben gewesen war.

Zum Thema