Mannheim

Jazz im Quadrat Bläserquartett Jazzabella begeistert im ausverkauften Musikclub Ella & Louis / Hautnah-Konzert löst bei den Gästen Euphorie aus

Melodien von ätherischer Schönheit

Archivartikel

„Wir sind eben einzigartig“ – es ist ein markiger Spruch ungeschminkten Selbstbewusstseins, der einen prägenden „Jazz im Quadrat“-Abend ziert, den ein ausverkauftes „Ella & Louis“ im Wortsinn „hautnah“ erlebt. Denn Saxofonistin Gesa Marie Schulze spricht die Worte keineswegs versehentlich: Sie sind ein musikalisches Bekenntnis, das die vier Damen von Jazzabella mit Leben zu füllen verstehen.

Zugeknöpft und Klebebart

Bereits die Abstimmung in der Reihe der „Entdeckungen“, die diese Zeitung hervorbrachte, hatten sie haushoch für sich entschieden – und bewiesen auch vor Ort, weshalb. Zum Interview mit „MM“-Kulturredakteur Georg Spindler kommen die Ladys zugeknöpft und mit Klebebart. Allein, dass die haarigen Mitbringsel auf offensichtlich zu sanften Lippen kaum haften wollen, nötigt dem Publikum erste Lachsalven ab - über die geschlechtlichen Koketterien in einer musikalischen Welt der Männer („Jeder spielt, so gut er kann – auch die Männer!“), hat man da noch gar nicht gesprochen.

Schon in diesen einführenden Worten, zeigt sich, dass auch harmonisch nicht nur Leichtigkeit in den Sinnen dieser vier Damen wohnt. Zwischen Inspirationen wie Alexandra Lehmler und Mnozil Brass, einem Obdachlosenchor und Verflechtungen zwischen Tradition und Moderne scheint der tiefe Wunsch nach Bedeutung hervor – und erfüllt sich. Langsam und behände.

Denn bei allem Eindrucksvermögen, das Trompeterin Hannah Maradei Gonzalez und Gesa Marie Schulze (Saxofon), Posaunistin Karoline Vogt und Ricarda Hagemann (Tenorsaxophon) mit sich bringen: Die Nervosität sitzt den Musikerinnen, die mit „No. 1“ just ihre erste gemeinsame Platte veröffentlicht haben, in den Gliedern.

Doch ein aufmerksames Publikum erweist sich im historischen Keller des Rosengartens als geduldig – und wird dafür belohnt. Mit der wendig agilen Swing-Nummer „Aketeobba“, die Jazzabella beim „MM“-Voting den Sieg bescherte, einem dynamischen „Balkan Slap“, der seinen Namen wahrlich verdient, aber auch einer „Brazilian Suite“, die in drei Sätzen eine tiefe Nachdenklichkeit in mundgeblasene Tonkunst übersetzt.

Das ist letztlich, was den Auftritt dieser couragierten Truppe ausmacht: Dass sie es aufs Königlichste versteht, alte und neue Welten im Jazz miteinander zu verzahnen, ohne irgendeine Philosophie zu verraten. Was eben mit „Mas que nada“ noch in lateinamerikanische Stimmungsgefilde führte, ist mit der indianischen Weise „The River, She Is Flowing“ schon wieder fragiles Notenwerk – was mit „Ain’t Nobody“ richtig fetzt, glänzt in einem Tango von Astor Piazzolla wieder mit stillem Groove. Es sind Melodien von ätherischer Schönheit, die für sich sprechen, weil sie über den Zusammenhang dieser einen Nummer hinausdenken, um frei, spontan und herrlich wild nach außen zu drängen.

Die zunehmende Euphorie an den Tischen kommt nicht von ungefähr. Denn wenn Hannah Maradei Gonzalez ihren letzten Tropfen Gefühl in die Trompete legt, während Gesa Marie Schulze ihrem Saxofon-Klang kernige Pointen ablockt, sitzen Gäste wie Eva Hayer im stilvoll illuminierten Club, um genussvoll zu lauschen. Mit elf Familienmitgliedern aus dem gesamten deutschen Südwesten ist die Frau aus Villingen-Schwenningen nach Mannheim gekommen – und ist auf Nachfrage der lobenden Worte voll. Denn auch, wenn bei der Jazz-Liebhaberin eher Matthias Wollny, Jan Garbarek oder Nils Landgren auf dem Plattenspieler landen: „Dieser moderne Mut, den Jazzabella ausstrahlen, ist wirklich fantastisch. Aber auch die Chance, sich bei einer solchen Gelegenheit Menschen zu präsentieren, die einen sonst vielleicht nie gehört hätten, um bekannter zu werden, finde ich wunderbar.“

Was am Ende auch für ein jubilierendes Ella & Louis gelten darf, das die Zugabe „Girls Just Wanna Have Fun“ begeistert feiert.

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