Mannheim

Landgericht 27-Jähriger muss sich wegen Attacke verantworten

Messer-Attacke mit 3,3 Promille

Mannheim.Der 27-Jährige mit den dicken Brillengläsern und dem akkuraten Haarschnitt würde als harmloser Student durchgehen, doch Artem S. wird vorgeworfen, am 16. Dezember 2017 einen Gast in einer Kneipe in der Friedrich-Ebert-Straße mit einem Cuttermesser einen langen Schnitt unterhalb des Kehlkopfs zugefügt zu haben.

Das Opfer wird durch den Schnitt mit dem Teppichmesser, so führte gestern eine Gutachterin aus, eine lange Narbe zurückbehalten. Sie hat sich vor allem mit dem Alkoholkonsum von Artem S. beschäftigt. Ein Alkoholtest ergab zurückgerechnet zur Tatzeit maximal 3,3 Promille, der Angeklagte hatte gesagt, dass er sich nicht an das Geschehen erinnert. Sein Verhalten sei, so die Sachverständige, „distanzgemindert“ gewesen: Er war in der Kneipe dicht an Menschen herangegangen, hatte den Arm um sie gelegt, getanzt, und war diskussions- und streitbereit gewesen.

Im Gericht sitzt Artem S. dagegen schweigend auf seinem Stuhl. Er hat nach eigener Aussage mit 14 Jahren angefangen, Alkohol zu trinken, zwei Jahre später habe er täglich getrunken und mit 18 dann den ganzen Tag vier bis fünf Bier und bis zu eine Flasche Wodka gekippt. Der im russischen Omsk geborene Spätaussiedler hörte wegen des Alkoholkonsums mit dem Sport auf, die Beziehung zur Mutter seiner beiden Kinder ging wegen der Trinkerei in die Brüche, einen Monat vor der Tat trennte sich das Paar. Sein Vater– ein Alkoholiker – ist bereits verstorben.

Statt des „normalen“ Gefängnisaufenthalts empfiehlt die Gutachterin wegen seiner Alkoholabhängigkeit eine Unterbringung samt Suchttherapie. Positiv sei, dass der Angeklagte diese machen möchte und ein soziales Umfeld habe, dass ihn stütze. Negativ sei allerdings seine frühe Straffälligkeit zu werten. Die Sachverständige betonte: „Falls die Alkoholabhänggkeit nicht behandelt wird, sind weitere Straftaten zu erwarten. Schon vorher gab es Delikte unter Alkoholeinfluss.“

Neun Einträge im Strafregister

Das belegt der Auszug des Strafregisters: Neun Einträge gibt seit seinem 15. Lebensjahr, unter anderem wurde Artem S. wegen des Diebstahls eines Autos und eines Rollers zu Bewährungsstrafen verurteilt. Eine Bewährungsstraße erhielt er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung samt Bedrohung, die letzte registrierte Straftat aus dem Jahr 2012 war der Diebstahl von zwei Fläschchen Korn in einem Supermarkt, die er gleich getrunken hatte.

Wegen des Geständnisses, weitgehend übereinstimmender Zeugenaussagen und Videoaufnahmen einer Überwachungskamera wird möglicherweise bereits am Donnerstag, 16. August, vom Vorsitzenden Richter Gerd Rackwitz ein Urteil verkündet. Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr mit den Plädoyers.