Mannheim

Zusammenleben Bündnis stellt Programm der dritten „einander.Aktionstage“ vor / 76 Veranstaltungen in einem Monat

Mit anderen ins Gespräch kommen

Archivartikel

Was haben der Verein Afrokids International, das Duden-Institut, der Gehörlosenverein, der Islamische Verein für Bildung und Kultur, die Katholische Pfarrgemeinde Guter Hirte, die Reiss-Engelhorn-Museen und das Schifferkinderheim gemeinsam? Sie gehören zu dem bunten Spektrum der Veranstalter der „einander.Aktionstage 2018“.

Zum dritten Mal setzt damit das Mannheimer Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt ein Zeichen für respektvolles Miteinander und gegen Diskriminierung. Zu den Veranstaltungen gehören beispielsweise ein Internationales Frauenfrühstück, Vorträge wie „Wertschätzende Kommunikation in der Familie“ und „Demokratie in Christentum und Islam“, „Foodstories – Einblick in Esskulturen“ und eine Fotoausstellung zu Afghanistan.

„Das Mannheimer Bündnis wird bis ins Ausland wahrgenommen“, erklärte Oberbürgermeister Peter Kurz bei der Auftaktveranstaltung im Kunstverein vor rund 60 geladenen Gästen. Wichtig seien beim Thema Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht nur Appelle. Es gehe darum, Begegnungen zu stärken und damit die Grundlage für Empathie zu schaffen. In den Medien erhielten Konflikte oft hohe Aufmerksamkeit, doch „der Alltag ist nicht von Scheitern geprägt, sondern von Gelingen“. Wichtig sei, wie die Menschen miteinander umgehen. Im Hinblick auf die Entwicklung in den USA betonte Kurz, dass Hass und Dialogunfähigkeit nicht zugelassen werden dürften. Er verwies auf eine Kundgebung am 3. Oktober, bei der gemeinsam für Menschlichkeit, Demokratie und den Rechtsstaat demonstriert werden soll.

Claus Preißler, Beauftragter für Integration und Migration der Stadt, betonte, dass Begegnung zwischen den Kulturen in Mannheim ständig stattfinden, jedoch mit den Aktionstagen einmal im Jahr sichtbar gemacht werden sollen. Er moderierte ein Podiumsgespräch, bei dem drei Veranstaltungen und ihre Akteure vorgestellt wurden. Eine ist „Kunst für alle – Führung durch die Ausstellung ZOOM – Junge Kunst aus Thüringen“ beim Kunstverein, ein Angebot für Gehörlose. Dessen stellvertretender Vorsitzender Friedrich Karsten erklärte, dass der Verein seit 185 Jahren ein Ort der Toleranz sei. Die Führungen seien dank eines erhöhten Zuschusses der Stadt möglich und „nicht einfach, weil nicht eins zu eins übersetzt werden kann“. Peter Ödingen, Vorsitzender des Gehörlosenvereins, erläuterte, dass so etwas zum ersten Mal stattfinden würde und die Gehörlosen gern kommen. „Für uns sind Kooperationen wichtig, damit hörende Menschen Gehörlose erleben.“ Eine Kommunikation zwischen beiden finde sonst nicht statt. Seine Beiträge sprach eine Gebärdensprache-Dolmetscherin aus. Von diesen gebe es mit 70 viel zu wenig in Baden-Württemberg, benötigt würden 300.

Bei „Gemeinsam sind wir STARK!“ engagieren sich Flüchtlinge, Schüler des Lessing-Gymnasiums und Bewohner des Altenpflegeheims Pauline-Maier-Haus. Cigdem Erdis vom Diakonischen Werk erläuterte, dass es etwa ein gemeinsames Selbstbehauptungstraining gegeben habe, was die alten Leute zuerst abgelehnt hätten. „Doch im Verlauf ist viel Vertrauen und körperliche Nähe entstanden.“ Einer der Teilnehmer, Mohammad Ayoub, sagte, dass die alten Leute bei den Begegnungen merkten, dass Flüchtlinge keine schlechten Menschen seien.

Das dritte vorgestellte Projekt war „Kollektion Vielfalt“, die mit einer Verkaufsaktion beim „HandMAdeMarkt“ öffentlich zu sehen ist. „In unserer Stadt gibt es viele Gruppen, die nähen. Sie werde zusammengeführt“, erklärte Margot Römmich, Geschäftsführerin „Business & Bildung“. Ziel sei es, Vielfalt zu erleben. Dafür steht auch der Schneider Jovica Arvanitelli von der Beratungsstelle beim Landesverband der Sinti und Roma Deutschland. Er erklärte, dass die pakistanischen Teilnehmer aus dem Land kommen, in dem der Sintfluss (Indus) liegt und damit der frühere Lebensraum der Sinti ist: „Wir haben eine gemeinsame Kultur!“