Mannheim

Mitgefühl und Hilfsbereitschaft für Sina Göpel

An diesem Mittwoch fühlt sich Sina Göpel nicht so gut. Ein Übelkeitsanfall bedingt durch ihre Schwangerschaft, die angehende medizinisch-technische Assistentin musste vom Unterricht früher nach Hause. „Aber das geht ja bald wieder vorbei“, erzählt sie am Telefon. Und eigentlich ist die 22-Jährige momentan sehr froh. Seit der „MM“ darüber berichtet hat, dass die Stadt von ihr rund 3000 Euro Schüler-BAföG zurückfordert, erlebt sie eine gewaltige Welle des Mitgefühls. „Das hat mich sehr überrascht“, freut sich Göpel.

Der am Sonntag online und am Montag in der Printausgabe veröffentlichte Artikel war nicht nur über Tage der meistgelesene im „MM“-Internetportal morgenweb. Auch in sozialen Foren erhielt Göpel zahlreiche positive Zuschriften. Darunter auch von einigen mit dem gleichen Problem: Da es in medizinisch-schulischen Berufen seit Jahresbeginn eine Ausbildungsvergütung gibt, wird zuvor bezahltes Schüler-BAföG vielerorts zurückverlangt. Und sogar rückwirkend, bei Göpel etwa bis einschließlich Oktober. Das Argument dafür lautet, mit der seit Januar bezahlten Vergütung (in ihrem Fall netto rund 850 Euro) sei der BAföG-Anspruch aufs ganze Ausbildungsjahr – also von Oktober bis September – gerechnet erloschen.

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist das Vorgehen der Ämter unterschiedlich. In Hessen wird das Geld ebenso wie in Baden-Württemberg rückwirkend gefordert, in Rheinland-Pfalz nicht. Jörg Schmidt, früher Vizepräsident des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofs und ehemaliger SPD-Stadtrat in Mannheim, äußerte unterdessen Zweifel an der Argumentation der Stadt, sie „müsse“ das Geld von Göpel auf Weisung des zuständigen Landesamts zurückverlangen. Eine Oberbehörde könne keine generelle Anweisung für solche sogenannte Billigkeitsentscheidungen erteilen, schrieb Schmidt dem „MM“. Seines Erachtens handele es sich hier um einen „klaren Ermessensfehlgebrauch“.

Göpel hat auch eine Betroffene aus Nordrhein-Westfalen geschrieben, die fast 6000 Euro zurückzahlen muss. Der Mannheimerin tut es zwar „sehr leid, dass auch andere das Problem haben. Aber man fühlt sich dann natürlich auch weniger allein.“

Einige Leser wollen ihr nun helfen. Eine Frau, die ungenannt bleiben wollte, brachte bei der „Schwetzinger Zeitung“ (die den Artikel über Göpel übernommen hat) 50 Euro vorbei. „MM“Leserin Hilde Bäuschlein schrieb, sie habe in ihrem Leben „selbst schon extrem viel soziale Ungerechtigkeit erleben müssen“, und bot ein zinsloses Darlehen an. Auch Christine und Klaus Bohn boten finanzielle Unterstützung an.

„Über diese Hilfsangebote habe ich mich sehr gefreut“, sagt Göpel. Annehmen wolle sie die allerdings nicht. Zum einen hätte sie dann ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen Betroffenen, denen niemand Geld gebe. Zum anderen sei es ihr auch um etwas anderes gegangen, als sie sich an den „MM“ gewandt habe: „Ich wollte nur auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam machen.“

Leser Bohn bedauert einerseits die Absage („wir hätten ihr wirklich gerne geholfen“). Andererseits finde er Göpels Haltung „sehr ehrenwert“.

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