Mannheim

Bildung Land überprüft nach und nach 141 Schulversuche

Modell ohne Noten ist Vergangenheit

Die Liste ist lang: Auf 21 DIN A4-Seiten hat das baden-württembergische Kultusministerium insgesamt 141 Schulversuche aufgelistet, die im Laufe der Jahrzehnte zusammengekommen sind. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, diese Liste zu durchforsten – und die „Versuche“ entweder in den regulären Schulbetrieb einzugliedern oder aber zu beenden.

Das hat in Mannheim und acht anderen Standorten im Land vor zwei Jahren schon einmal für heftigen Wirbel gesorgt. Damals ging es um den Versuch „Grundschule ohne Noten“. An dem Modell mit differenzierter Leistungsbewertung für jedes Fach hatte sich im Spätsommer 2013 die Gerhart-Hauptmann-Schule auf der Rheinau beteiligt. Am 8. November 2017 kündigte das Kultusministerium an, dass der Versuch zum Schuljahr 2018/19 auslaufen solle.

Vergeblicher Elternprotest

Dagegen protestierten in Mannheim Elternvertreter, Stadt und mehrere Wissenschaftler. Deren Interventionen blieben ebenso vergeblich wie landesweite Protestaktionen – etwa in Freiburg, wo betroffene Schüler und Eltern schwarze Luftballons in den Himmel steigen ließen. Anfangs stellten sich auch die Grünen hinter den Protest. Aber die Partei, die in Stuttgart mit der CDU koaliert, machte in den entscheidenden Abstimmungen im Landtag letztlich einen Rückzieher.

Das hatte damals unter anderem der Mannheimer SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei kritisiert. Er meldet sich auch im aktuellen Fall des seit 1977 laufenden muttersprachlichen Griechisch-Unterrichts auf dem Waldhof zu Wort. „Das ist integrativ, eine tolle Sache“, betont er. Ohnehin ist die SPD ein Anhänger muttersprachlichen Unterrichts unter Landesregie. Das hatte die Landtagsfraktion im Juli 2018 in einer Anfrage ans Kultusministerium deutlich gemacht – und einen fünfjährigen Modellversuch an 90 Standorten vorgeschlagen. Die Behörde antwortete, dergleichen sei „derzeit nicht vorgesehen“.

Technisches Gymnasium bleibt

Ein noch länger laufendes Modell als der Griechisch-Unterricht in Mannheim hat das Ministerium vor zwei Jahren in Esslingen eingestellt. Die dortige Zollberg-Realschule hatte 1972 eine Sportklasse eingerichtet – für Schüler von der sechsten bis zur zehnten Jahrgangsstufe. Sie erhielten pro Woche fünf bis sechs Stunden Sportunterricht. Aber das erforderte 1,6 Vollzeitstellen – und war dem Land deshalb zu teuer. Oder, wie es in der Versuchsliste heißt: „Die zusätzliche Ressourcenausstattung in den Sportklassen ging zulasten der Unterrichtsversorgung.“

Bei der Überprüfung der Schulversuche gebe es als Begründung für die Einstellung lediglich „oberflächliche Hinweise“, kritisiert Fulst-Blei. Ministerin Eisenmann (CDU) gehe „wie mit dem Rasenmäher durch ein Blumenbeet“ und beende „langjährige, gut funktionierende Modelle“.

Demgegenüber betont Eisenmanns Sprecherin Christine Sattler auf Anfrage des „Mannheimer Morgen“: „Jeder Schulversuch wurde einzeln überprüft.“ Etwa 30 davon würden beendet oder seien das bereits. Weitere rund 30 werde man „zunächst fortführen“, um „dem Erprobungszweck erst noch gerecht zu werden“. 80 Modellprojekte dagegen „sollen in die Regelform überführt werden“.

Ein Beispiel, das Mannheim betrifft, ist das sechsjährige Technische Gymnasium der Carl-Benz-Schule. Es soll – wie alle anderen vergleichbaren beruflichen Gymnasien im Land – dauerhaft bleiben.

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