Mannheim

Landgericht Im Prozess um einen versuchten Mordauftrag sind jetzt die Zeugen am Zug

Mühsame Wahrheitssuche

Der zweite Tag im Prozess gegen Dusan O. wirkt am Landgericht wie ein mühevolles Hangeln an den langen, manchmal verworrenen Seilen der Indizien. Denn während sich der weiterhin schweigende 71-jährige Angeklagte fortwährend nervöser mit den Fingern über die Augen wischt, versucht sich das Schwurgericht der Ersten Großen Strafkammer an einer Rekonstruktion dessen, was im November 2017 genau vor sich ging. Dann also, als O. den Plan gefasst haben soll, seine Frau ermorden zu lassen.

Die Anklage hatte es am ersten Verhandlungstag in klare Worte gefasst: Der berentete Arbeiter der Mannheimer John Deere-Werke habe sich von „dieser Schlampe“ psychisch ausgebeutet, sexuell kurz gehalten und um die Ersparnisse eines langen Berufslebens gebracht gesehen. 40 000 Euro soll O. im November 2017 für den Tod seiner Frau zu zahlen bereit gewesen sein. Wegen des Schweigens, das die Rechtsanwälte Steffen Kling und Franz Müller-Fricke ihrem Mandanten verordnet haben, sind es die Zeugen, die sprechen müssen – und das tun sie, wenn auch am Montag eher dürftig über den Angeklagten.

Zunächst spricht ein Bekannter jenes verdeckten Ermittlers „Mohamad“, den O. mit der Ermordung seiner Frau beauftragt haben soll. In einem Schwimmbad habe er „Mohamad“ kennengelernt, der sich als ehemaliger Häftling aus Afghanistan ausgegeben habe und es unbedingt wieder zu Arbeit bringen wolle, das berichtet der Zeuge gestern. „Als Hilfe für ihn“ habe er „Mohamad“ zu seinem eigenen Lager nach Bürstadt mitgenommen, ihm Bestände an Shampoo und Sonnenrollläden gezeigt, die er auf Flohmärkten verkaufen könne: ohne Erfolg. „Mohamad“, so der Zeuge, habe nicht nur „respektlos über Schiiten gehetzt“, sondern habe auch Waffengeschäfte über Griechenland abwickeln wollen. Das sei ihm zu heiß geworden, so der Zeuge, der Kontakt sei schließlich abgebrochen. Wie O. an jenen LKA-Ermittler gelangt sein soll, der dem Zeugen nur als „Mohamad“ bekannt war, lässt er offen und bekräftigt: „Den Angeklagten habe ich noch nie in meinem Leben gesehen!“

71-Jähriger fühlte sich ausgenutzt

Viel mehr will auch ein Mannheimer Juwelier nicht zur Sache beitragen. Als Fußballer von Clubs wie Rot-Weiß Essen sei er in den 70er Jahren wohl einmal mit O. zusammengekommen, habe ihn jedoch 40 Jahre später kaum mehr erkannt, als er zu ihm in den Laden kam, um einen Diamanten für seine Frau zu kaufen. Dass sich eine SMS, mit der er O. zur Zahlung von 2500 Euro aufforderte, nicht etwa um den Stein, sondern eine besorgte Waffe gedreht haben soll – das wollte der ehemalige Imbiss- und Diskotheken-Besitzer ebenso wenig hören, wie, dass er als Zuhälter Kontakte ins Rotlicht-Milieu pflege. Sichtlich aggressiv warf der nach eigener Auskunft trockene Alkoholiker dem Angeklagten beim Hinausgehen ein klar vernehmbares „So ein Depp!“ entgegen – und tauschte einen Blick mit dem Angeklagten.

Vernehmungen weiterer Polizeibeamter bestätigen im Wesentlichen die immer wieder artikulierte Haltung des Angeklagten, der sich von seiner Frau mit 50 Euro pro Woche wie ein Kind abgespeist fühlte, während der schwule Freund und andere Liebhaber im Geld badeten. Dass sich O. durch die Auflösung gleich mehrerer Depots über 50 000 Euro liquide Mittel in einem Bankschließfach verschaffte, die für den Mordauftrag bequem ausgereicht hätten, bleibt nach zähen Stunden noch die größte Erkenntnis. Weiterverhandelt wird am 14. August.