Mannheim

Elitesportlerin des Jahres Eiskunstläuferin Lea Johanna Dastich greift nach Verletzung wieder an

„Müller-Wohlfahrt hat meine Karriere gerettet“

Sportliche Erfolge sind die eine Sache, reichen aber alleine nicht, um „Eliteschülerin des Jahres“ zu werden. Dieser Titel beinhaltet weit mehr als Siege oder Medaillen, berücksichtigt auch Leistungen in der Schule, Persönlichkeit und Vorbildfunktion. Lea Johanna Dastich verkörpert dieses Ideal – darin waren sich alle einig, die der 19-jährigen Eiskunstläuferin und kommenden Abiturientin des Ludwig-Frank-Gymnasiums gratulierten.

„Ihre Leistungsbereitschaft ist in Sport und Schule herausragend“, lobte Schulleiter Holger Reusch und hob ihre „gleichmäßige Entwicklung von sportlichen und geistigen Fähigkeiten“ hervor, die schon Pierre Coubertin, der Wiederbeleber der modernen Olympischen Spiele, gefordert habe. Auch für den Sparkassen-Giro-Verband – er finanziert die Ehrung mit den Olympiastützpunkten bundesweit – ist die Verzahnung von „Spitzensport, schulischer Laufbahn und beruflicher Perspektive ein Grund für die alljährliche Förderung“, sagte Helmut Augustin vom Vorstand der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord. Weil die mit dem Titel verbundenen 7000 Euro jedoch zur Talentförderung an die Schulen gehen und Lea Dastich außer einer Urkunde noch etwas Handfestes mitnehmen sollte, versprach er ihr zwei Tickets für die Sparkassenloge in der SAP-Arena. Entweder für die Adler oder die Rhein-Neckar-Löwen.

„Wir zeichnen die Gesamtheit einer Person aus, und Persönlichkeit wird von vielem beeinflusst“, bedankte sich Jochen Zürn vom Olympiastützpunkt Rhein-Neckar. Dass sportliche Leistung tatsächlich nur eine Komponente der Wahl darstellt, unterstreicht der Fakt, dass Dastich seit 18 Monaten keine Erfolge vermelden kann. Der Grund: Seit eineinhalb Jahren wird die zweifache Medaillengewinnern bei deutschen Meisterschaften von einer hartnäckigen Entzündung im Fuß geplagt.

Drei Comeback-Versuche scheiterten, erst im Oktober wurde nach einer Ärzte-Odyssee die Ursache gefunden. „Ich glaube, Dr. Müller-Wohlfahrt hat meine Karriere gerettet“, ist sie dem berühmten Münchner Arzt dankbar, der eine Blockade als eigentliche Ursache entdeckte. Die lange Fehlstellung bewirkte die permanente Entzündung. „Ich habe es niemandem gesagt, auch nicht meiner Trainerin. Aber als die Schmerzen beim dritten Anlauf wiederkamen, habe ich mir überlegt, ob ich nicht aufhören soll. Doch jetzt geht es aufwärts“, ist Dastich guter Dinge. „Ich finde es so schön, dass ich ausgesucht wurde, obwohl ich ja letztes Jahr sportlich gar nicht da war.“ Zwar hielt sie sich durch Athletik und Ballett fit, übte auf dem Eis auch Pirouetten und Schritte, „doch dafür ist die Motivation nicht mehr so groß. Jetzt dürfen es schon mal wieder ein paar Dreifache sein“, brennt sie auf die komplette Rückkehr auf das Eis. „Vielleicht klappt es ja im Frühjahr sogar noch mit ein paar Wettkämpfen.“

Heimatstadt mit 16 verlassen

Dann wird sie auch mitten im Abitur stecken, als eine der Besten ihrer Stufe hat sie deswegen keine Bedenken. „Danach plane ich ein Medizinstudium. Am liebsten in Mannheim/Heidelberg, denn ich will unbedingt weiter eislaufen und fühle mich hier sehr wohl.“ Längst hat sich die gebürtige Dresdnerin in Mannheim eingelebt. Obwohl sie sich damals mit 16 Jahren auf eigene Füße stellte und auf dem Waldhof eine eigene kleine Wohnung bezog, war sie nie allein. „Dafür haben die Schule, die Trainer beim MERC, der Olympiastützpunkt, vor allem aber Anett Pötzsch und Schulkoordinator Christian Stang gesorgt“, betont Vater Ingo Dastich, der sie vor zweieinhalb Jahren schweren Herzens ziehen ließ. „Diese Fürsorge von allen Seiten, die Hilfe, die sie erfährt, ist mehr, als meine Frau und ich erwarten konnten.“

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