Mannheim

Jazz im Quadrat Jordan Weiss Quartett begeistert Publikum auf den Kapuzinerplanken

Musik aus den „Goldenen Zwanzigern“

Archivartikel

Mannheim.In das Paris der 1920er Jahre zurückversetzt fühlten sich die Besucher von „Jazz im Quadrat“ auf den Kapuzinerplanken. Damals war eine Blütezeit von Kunst, Kultur und Wissenschaft. In den „Goldenen Zwanzigern“ änderte sich nicht nur die Mode. Auf vielen Gebieten herrschte Bewegung. In Europa entstand der Gypsy-Jazz, der erste in Europa praktizierte Jazzstil.

Er hat inzwischen längst weltweit Anerkennung gefunden, stellt aber immer noch in Europa die meisten praktizierenden Musiker und die größte Zuhörerschaft. Django Reinhardt war der erste Vertreter dieser Jazzrichtung, der Weltruhm erlangte. Und so war es nicht verwunderlich, dass bei wahrem Kaiserwetter auf den Kapuzinerplanken das Jordan Weiss Quartett die Saison der Jazzkonzerte mit einer Hommage an diesen Künstler eröffnete.

Jordan Weiss selbst entstammt einer Familie, in der die meisten Mitglieder seit Generationen musizieren. An der Gitarre lässt er mit seinem Ensemble bewusst ursprünglichen Django-Reinhardt-Swing in der klassischen Besetzung Sologitarre, Geige, Rhythmusgitarre und Kontrabass aufleben. „Djangology“ „Oriental Shuffle“ „Solitude“ oder „Hungaria“ waren Beispiele, mit denen die Musiker Pariser Flair mit Leidenschaft und Herzenswärme auf die Freiluftbühne des „Mannheimer Morgen“ zauberten. Das hätte kaum besser zum daneben stattfindenden Französischen Markt passen können.

Einfach und eingängig

„Es ist eine einfache Musik, die wir originalgetreu, aber auch mit entsprechenden Improvisationen spielen“, hatte Herbert Hetzel, der Rhythmusgitarrist, angekündigt. Bei diesem Spiel blieben die Musiker bis zum Schluss, wenn auch die Reise sich bis in die 1950er Jahre fortsetzte und damit auch Stücke einschloss, die den eigentlichen Weltruhm des Ausnahmekünstlers Django Reinhardt begründeten, der am 23. Januar 1910 in Liberchies in der Nähe von Charleroi in Belgien, das Licht der Welt erblickte und am 16. Mai 1953 in Samois-sur-Seine bei Paris starb. Allein die Besetzung des Quartetts klingt schon wohlbekannt. So spielen neben Weiss (Sologitarre)und Hetzel auch Jenzi Winterstein-Reinhardt (Geige) und Bobeye Reinhardt (Kontrabass)mit, ein Enkel des in der Region bekannten Großneffen von Django, dem Geiger und Komponisten Schnuckenack Reinhardt.

Bereits beim zweiten Set war der Bann zum Publikum, darunter viele Stammbesucher der Jazzreihe, gebrochen. Es wurde begeistert geklatscht und im Rhythmus getanzt. „Douce Ambience“, „Swing 39“ oder der „Limehouse Bluse“ bestimmten den begeistert aufgenommenen Auftritt. „Das ist schon eine ganz spezielle Musik, die man mögen muss“, stellten die Zuhörer Maximilian Appel und Stella Schüssler fest.

„Wenn man aber selbst Klavier spielt, fällt einem der Bezug doch etwas leichter“, schob Appel nach. Viele Stammgäste genossen das sonnig-warme Wetter und die begleitende, eingehende Musik: „Immer, wenn es die Zeit erlaubt, kommen wir zu den Konzerten. Man trifft sich hier ungezwungen und kann sich mit Bekannten bei einem Glas Wein unterhalten“, stellte Zuhörer Volker Seitz fest. „Das steht fest in meinem Terminkalender. Immer wenn Jazz auf dem Programm steht, komme ich hierher. Und das schon seit vielen Jahren. Es ist einfach Klasse“, freute sich Heinrich Sauer.

Das Ehepaar Barbara und Thomas Kemmer ergänzt: „Die Konzerte sind richtig gut. Schon seit vielen Jahren sind wir hier Stammgäste.“ Bei so viel Begeisterung war es nur wenig erstaunlich, dass das Quartett durch Beifall unterstützt wurde. „Melodie au Crepuscule“ , „Djangos Tiger“ oder „Troublant Bolero“ waren Stücke, die nach Zugaben verlangten, die schließlich auch folgten.

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