Mannheim

Rosengarten Benefizkonzert des Sinfonieorchesters der Garde républicaine aus Frankreich

Musikalisches Zeichen der Freundschaft

Nach dem letzten Ton hält es die Besucher im Musensaal nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie applaudieren im Stehen – und mit großer Ausdauer. Das Klatschen und die Jubelrufe gelten den Musikern des Sinfonieorchesters der Garde républicaine und ihrem Dirigenten, Oberst François Boulanger. Sie haben Mannheim mit ihren Interpretationen von Beethovens Vierter Symphonie, von Bizets Carmen-Suite, von Édouard Lalo und Camille Saint-Saëns in ihren Bann gezogen.

Das Benefizkonzert am Europatag hatten Mannheims Honorarkonsul Folker Zöller und der Salon diplomatique organisiert. Mit Hilfe seiner Kontakte, auch zu Generalkonsulin Pascale Trimbach, gelang es ihm, das Orchester zum ersten Konzert in Deutschland überhaupt zu bewegen. „Wir kommen wieder“, verspricht Damien Striebig, General der Garde républicaine, am Ende. Ein Satz, den das Publikum erneut mit viel Applaus beantwortet.

Der Erlös der Benefizveranstaltung, die mit rund 1400 Zuschauern „ausverkauft“ war, geht an das deutsch-französische Jugendwerk, das die Jugendbegegnung fördert. Die Karten kosteten nichts, die Besucher, unter ihnen auch Maike Kohl-Richter, waren aufgefordert, nach dem Konzert Geld zu spenden.

„Positive Erwartungen“

Den Glauben an Europa und das Gefühl, eine europäische Identität zu haben, an die nächste Generation weiterzugeben, sei in Zeiten von großem Euroskeptizismus wichtig, sagte der Generalsekretär des Jugendwerks, Markus Ingenlath. Im Publikum saßen viele europäische Austauschstudenten. Der spanische Erasmusstudent Álvaro del Hierro erzählte, welchen positiven Effekt es hat, nicht nur in der eigenen kulturellen Blase zu leben: „Ich kam mit sehr positiven Erwartungen hierher. Meine wenigen falschen Überzeugungen über die Deutschen und die Eliteunis, an denen man bis spät abends ein straffes Kursprogramm absolvieren müsse, konnte ich relativieren. Ich glaube, dass Europäer sehr viel gemeinsam haben. Mit meinen Freunden aus allen Teilen Europas teile ich viele Interessen.“

Der Mannheimer Europaabgeordnete Peter Simon (SPD) schätzte in seiner Rede, dass im Europaparlament heute 20 bis 30 Prozent Extremisten und Europagegner säßen. „Die Menschen spüren, dass das Nachbessern und Korrigieren von bisherigen Reformen die Krisen nicht lösen wird. Auf große Herausforderungen muss man mit großen institutionellen Antworten reagieren“, sagte der Befürworter des Währungsfonds in seinem Grußwort. Investitionen solle man nicht nur betriebswirtschaftlich betrachten, also nach dem Prinzip möglichst wenig reinzustecken und möglichst viel herauszubekommen. Er glaubt an wachstumsfördernde Investitionen vor allem mit Blick auf die Länder, die sich noch nicht von der Eurokrise erholt haben.

Mit vielen Emotionen moderierte Erster Bürgermeister Christian Specht auf der Bühne des Musensaals – charmant auf zwei Sprachen, immer wieder mit dem Appell, die Freundschaft zwischen den beiden Staaten zu pflegen und zu fördern. Honorarkonsul Zöller freute sich gestern, am Tag danach, über die begeisterten Reaktionen vieler Besucher. Alle hätten ihre Hoffnung geäußert, dass es eine Wiederholung geben werde.

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/mannheim

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