Mannheim

Mutig einmischen

Archivartikel

Zugespitzt gesagt: Frauen in Mannheim schweigen lieber, wenn im Alltag über Politik diskutiert wird. Auch dann, wenn sie eigentlich gerne etwas sagen würden. Das ist eine der vielen Erkenntnisse aus der Studie „Mannheimer Stadtgespräch“. Es muss endlich selbstverständlich sein, dass Frauen mitreden – und auf dem Weg dahin sind alle Geschlechter gefragt.

Zu allererst die Frauen selbst: Politik gibt den Rahmen für unser Leben, auch in der Stadt. Und – das dürfte niemanden überraschen – auch für Frauen. Wie kann es sein, dass sich viele von ihnen dafür kaum interessieren? Um eine geschlechtergerechte Welt zu gestalten, braucht es deutliche Forderungen von genau denen, die nach wie vor in vielen Bereichen der Gesellschaft strukturell benachteiligt sind. Gerade hat Brandenburg beschlossen, dass Listen bei Landtagswahlen ab 2020 paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein müssen: Instrumente wie Gesetze oder Frauenquoten sind mit Blick auf die Besetzung von Posten und Gremien – leider – immens wichtig. Ein Interesse für Politik jedoch lässt sich nicht durch Regeln oder Gesetze einführen. Darauf muss man schon von alleine kommen.

Kleinigkeiten summieren sich

Wer häufiger mitredet, der eckt gelegentlich an. Dass das vielen Frauen gerade in „Männerrunden“ nicht leicht fällt, ist nachvollziehbar. Was dabei gut tut: Ermutigung, Respekt, Wertschätzung. Zum Beispiel von Kollegen. Denn es gibt sie immer noch: Männer, die Frauen auf oftmals perfide Art und Weise das Gefühl geben, bei politischen Themen oder Wirtschaftsfragen per se nicht kompetent zu sein. Es gibt sie in Betrieben, in Vereinen, auch in Familien. Oft sind es Kleinigkeiten im Alltag. Wenn sich 20 Männer und zwei Frauen in einem Raum befinden, dann ist „Meine Herren“ schlichtweg die falsche Anrede. Kleinigkeiten, die sich summieren.

Damit viel mehr Frauen offen und laut mitreden, braucht es Eltern, die selbstbewusste Mädchen großziehen. Die schon früh mit ihren Kindern über politische Themen, veraltete Rollenbilder und Gerechtigkeit sprechen. Die den Kindern vorleben, dass es anders geht. Politik betrifft alle – und sollte selbstverständlich von allen gestaltet werden.

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