Mannheim

Großeinsatz der Feuerwehr

Nach Brand in Müllschacht: Neckarpromenaden-Bewohner können erst morgen in ihre Wohnungen

Mannheim.

Das Feuer im Hochhaus Neckarpromenade 15 ist gelöscht. Mittlerweile steht fest, dass die 550 Bewohner erst am Mittwoch wieder zurück in ihre Wohnungen können. Zuvor hatten Sachverständige das Gebäude untersucht und die Situation bewertet. Bereits von Montag auf Dienstag hatten die Mieter die Nacht außerhalb ihrer normalen Wohnungen verbringen müssen. In den von der  Stadt zur Verfügung gestellten Ersatzunterkünften, darunter ein zuletzt von Flüchtlingen bewohnter Block in Benjamin Franklin Village sowie Notwohnungen der GBG, hat nach Informationen dieser Zeitung aber niemand übernachtet.

Rund 40 Hausbewohner nutzten jedoch das kurzfristige Angebot der Eigentümer der Neckaufer-Hochhäuser, im Ludwigshafener Hotel Excelsior zu schlafen. Neun ältere Personen wurden im Thomasheim untergebracht, zwei weitere im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, da sie medikamentös versorgt werden mussten. Nach derzeitigen Erkenntnissen sollen die Mieter am Mittwoch gegen 8 Uhr wieder in die Wohnungen gelassen werden. Im Gebäude werden bis dahin noch Reinigungsarbeiten sowie Reparaturen an den Aufzügen vorgenommen. Zwischen 19 und 21 Uhr dürfen die Mieter laut Stadt in ihre Wohnungen, um wichtige Gegenstände zu holen. Die Hausverwaltung hat zudem unter der Rufnummer 0800/646377200 eine Hotline für Mieter eingerichtet.

Die letzten 15 Einsatzkräfte waren gegen 0.30 Uhr wieder auf der Feuerwache eingerückt. Zunächst hatte die Feuerwehr vermutet, dass sie die ganze Nacht brauchen wird, das Feuer zu löschen. "Es ging dann doch schneller als gedacht", so Bernhard Kunkel, der stellvertretende Kommandant. Es sei aber "ein enormer Kraftakt" gewesen, bis alle Glutnester erstickt worden seien. "Es hat an mehreren Stellen geglimmt, wir mussten überall die Klappen öffnen und dann massiv Wasser einleiten. Im Einsatz waren insgesamt über 275 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk, dazu mehr als 50 Polizeibeamte.

Am Vormittag soll geprüft werden, welche Wohnung derzeit bewohnbar sind. Danach wird entschieden, ob die Anwohner wieder dort einziehen können oder ihnen zumindest kurzzeitig Zutritt gewährt werden kann, um notwendige Gegenstände zu holen. Derzeit sind Brandermittler der Kriminalpolizei sowie Brandexperten des Landeskriminalamtes vor Ort, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. 

In einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung der Stadt, wurde auf die problematische Infrastruktur hingewiesen. Nach Angaben der Stadt sei unter anderem die Brandmeldeanlage defekt. Möglicherweise müssen die Bewohner des Hochhauses eine weitere Nacht außerhalb unterkommen. Ab 10 Uhr wird für die Betroffenen ein Infostand im Foyer der Carl-Benz-Schule eingerichtet. Dort erhalten sie alle aktuellen Informationen. Um 14.30  Uhr soll es eine offizielle Ankündigung geben, in der das weitere Vorgehen bekanntgegeben wird.

Rauch breitete sich aus 

Zunächst ging die Feuerwehr am Montag davon aus, dass nur Abfall brennt. Doch dann stellte sich heraus, dass die Flammen die Dämmung des Abwurfschachts erfasst und dort an zahlreichen Stellen einen sich weiter ausbreitenden Schwelbrand ausgelöst haben, der nur schwer zu löschen ist.

„Das Feuer hat sich quasi versteckt“, so Gremm: „Wir müssen mit Brachialgewalt versuchen, an die Glutnester heranzukommen“, erläuterte er am Montag. Dazu werde die Feuerwehr mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks den Schacht, der sich vom zweiten Untergeschoss bis zum 30. Stockwerk erstreckt, überall aufstemmen.

„Wir mussten erkennen, dass diese Brandbekämpfung keinen Sinn macht, wenn noch Bewohner im Haus sind. Daher haben wir uns zu einer Evakuierung entschlossen“, sagte Specht. Durch die Löscharbeiten würde sich verstärkt Rauch und Ruß im gesamten Haus ausbreiten.

Anfangs waren die Bewohner noch aufgefordert worden, auf den Balkonen oder in den Wohnungen zu bleiben. Wer Symptome von Rauchgasvergiftung zeigte, wurde vom Rettungsdienst herausgeholt und ambulant in einer benachbarten Schule versorgt – insgesamt 30 Personen. Ins Krankenhaus musste aber niemand. „Alle hatten nur leichte Beschwerden“, so Dominik Hinel. Einsatzleiter Rettungsdienst.

Zur Schadenshöhe und Brandursache konnte die Polizei zunächst noch keine Angaben machen. (pwr/onja)

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