Mannheim

31-Jähriger soll virtuellen Marktplatz für Waffen angeboten haben

Nach Münchner Amoklauf: Staatsanwaltschaft Mannheim erhebt Anklage gegen Karlsruher

Mannheim/Karlsruhe.Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen einen 31-jährigen Karlsruher erhoben. Dem Angeklagten wird unter anderem vorgeworfen, auf seiner Internetplattform den Verkauf einer halbautomatischen Waffe und die dazugehörige Munition an den Münchner Amokschützen David S. ermöglicht zu haben.

Ebenfalls soll der Angeschuldigte als Administrator einer Internetseite im sogenannten Tor-Netzwerk zahlreiche  weitere illegale Geschäfte ermöglicht haben. Bei „Tor“ handelt es sich um ein Internet-Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten.  Nutzer werden somit vor der Analyse des Datenverkehrs geschützt. Die Ermittlungen wurden durch das Bundeskriminalamt und die  Abteilung Cybercrime der Staatsanwaltschaft Mannheim geführt, teilte die Behörde mit.  

Der 31-Jährige soll seit März 2013 bis zur Abschaltung am 8. Juni 2017 von seinem Wohnsitz in Karlsruhe als alleiniger Administrator den von ihm erstellten Online-Schwarzmarkt „Deutschland im Deep Web“ mit dem Zusatz „Keine Kontrolle, alles erlaubt“ für Verkaufsgespräche zur Verfügung gestellt haben. Bei der Online-Plattform handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um eines der größten sogenannten Underground-Economy-Foren im deutschsprachigen Raum mit zuletzt 23 028 registrierten Nutzern. Die Plattform sei mit Spenden in der Kryptowährung Bitcoin finanziert worden.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. „Der Angeschuldigte hätte erkennen können und müssen, dass sich außerhalb des legalen, kontrollierten Waffenmarktes unzuverlässige und labile Personen eine Waffe verschaffen können und dass die Erwerber diese auch zur Tötung oder Verletzung von Menschen – wie in dem Münchner Amoklauf geschehen – nutzen könnte“, heißt es in einer Mitteilung.

Wegen dieser und einer weiteren Ermöglichung eines Tauschgeschäftes zweier halbautomatischer Kurzwaffen mit Munition, bei dem der mutmaßliche Verkäufer der in München eingesetzten Waffe wieder beteiligt gewesen sein soll, sei in der Anklage auch der Vorwurf der Beihilfe zu Verstößen gegen das Waffengesetz erhoben worden. Der Mann, der die Waffe an  den späteretn Amokläufer David S. verkauft hatte, wurde im Januar 2017 wegen fahrlässiger Tötung  in neun Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in fünf Fällen und Verstößen gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen. Der damals 33-Jährige wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der damals 18-jährige Schüler David S. tötete am 22. Juli 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München und im Stadtbezirk Moosach neun Menschen. Fünf Menschen wurden verletzt. Anschließend erschoss sich der junge Mann selbst.

Aufgrund des Ermöglichens von Verkaufsbeziehungen über die Internet-Plattform lauten weitere Anklagevorwürfe gegen den Karlsruher: Beihilfe zum vorsätzlichen unerlaubten Handeltreiben mit einer Schusswaffe in 17 Fällen, zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer halbautomatischen Kurzwaffe in acht Fällen und zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer Schusswaffe in neun Fällen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeschuldigten weiterhin die Beihilfe in 29 Fällen  im Zusammenhang mit vorsätzlichem und unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln sowie vier Fälle des Erwerbs von Betäubungsmitteln zur Last. Der Angeschuldigte befindet sich seit Donnerstag,  9.August 2018, erneut in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" vom März 2018 soll es sich bei dem Angeklagten um einen Informatikstudenten mit dem Pseudonym „Lucky“ handeln. Er soll sich zudem bereits in Untersuchungshaft befunden haben – sei aber bereits Ende 2017 wieder entlassen worden. (dls)