Mannheim

Evakuierung Am Dienstagabend durften die Bewohner für kurze Zeit zurück in ihre Wohnungen, um frische Sachen zu holen / Lob für die Helfer

Nächte im Hotel, im Auto, bei der Verwandtschaft

Etwa 150 Bewohner versammelten sich Dienstagabend vor dem Wohnturm Neckarpromenade 15, um von 19 bis 21 Uhr kurzzeitig Einlass in ihre Wohnung zu bekommen. „Wir brauchen frische Kleider für uns und für die Kinder“, erzählt eine Mutter: „Werden sie mal in fünf Minuten evakuiert mit zwei Kindern und einer pflegebedürftigen Großmutter, da können sie nichts mitnehmen.“

Menschen mit Behinderung und Menschen mit Kindern lässt die Polizei als erstes hinein, dann werden die restlichen Menschen blockweise ins Foyer gelassen zur Registrierung. Nur Anwohner werden vorgelassen, und „wer bis 20.50 Uhr nicht wieder zurück ist, den holt die Polizei“, so die Anweisung einer Mitarbeiterin der Verwaltungsgesellschaft.

Auch Martin braucht frische Kleidung und wartet auf Einlass: „Als ich gestern nach Mitternacht von der Arbeit kam, war hier alles abgesperrt, ich kam nicht mehr in meine Wohnung.“ Zu Freunden wollte er um diese Uhrzeit auch nicht mehr, die sind zu weit weg. „Ich hab dann im Auto in der Tiefgarage gepennt, da waren noch viele andere, die dort in ihren Autos übernachtet haben.“ Er läuft jetzt schon seit drei Tagen in denselben Kleidern herum: „Duschen will ich auch, wenn das geht.“

„Wir haben gut geschlafen und ein gutes Frühstück bekommen“, hatte Sabine Sipos am Dienstagmorgen berichtet. Sie war zusammen mit ihrem Mann bei ihrem Schwager in Neckarau untergebracht: „Wir sitzen hier warm und trocken und faul rum, während zuhause die Arbeit wartet.“ Am Dienstag konnte sie den ganzen Tag über nicht in ihre Wohnung im verrauchten Wohnturm in der Neckarstadt. „Wir haben versucht, bei der Stadt anzurufen, aber da sind alle Leitungen belegt.“

Wie Urlaub für den Hund

Erst beim Katastrophenschutz seien sie dann durchgekommen und hätten neue Informationen erhalten: Demnach sollte am Nachmittag informiert werden, ob und wann welche Bewohner in ihre Wohnungen zurück kehren können. „Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht“, so Sipos. Am Nachmittag kam dann die Nachricht: Das Haus ist noch eine weitere Nacht gesperrt. Erst für Mittwochmorgen wurde eine dauerhafte Rückkehr angekündigt .

Eveline Schwarz hatte die Nacht zum Dienstag mit etwa 40 anderen aus dem Wohnhaus evakuierten Menschen im Excelsior Hotel in Ludwigshafen verbracht. „Geschlafen habe ich heute Nacht nicht, ich war viel zu aufgewühlt vom gestrigen Tag.“ Um sechs Uhr ist sie frühstücken gegangen, um halb sieben Gassi mit ihrer Hündin Bella und um sieben Uhr hat sie sich noch mal hingelegt, „dann bin ich endlich eingeschlafen“. Schon am Morgen habe sei eine Vertreterin der Hausverwaltung dagewesen und habe gesagt, „dass wir noch eine zweite Nacht bleiben müssen“. Ihrem Hund Bella gehe es gut, „die findet das klasse hier im Hotel. Das ist wie Urlaub.“

Evelin Schwarz war am Montagabend in der Sporthalle des Ludwig-Frank-Gymnasiums. Sie spricht sehr positiv über die Helfer: „Das THW war sehr nett.“ Auch die anderen Helfer lobt sie, Betreuung und Koordination „waren fantastisch.“

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