Mannheim

Geburtstag „Lokomotive des Feuerio“ Bodo Tschierschke wird 60

Närrischer Rekordhalter

Er ist weggefahren – denn er könnte derzeit ohnehin nicht feiern mit der großen Zahl an Gratulanten, die zu erwarten wären. Schließlich wird mit Bodo Tschierschke heute ein ungewöhnlicher närrischer Rekordhalter 60 Jahre alt. Seit 1999 führt er als Präsident Mannheims größte und älteste Karnevalsgesellschaft, womit er schon die längste Amtszeit aller bisherigen 17 Chefs des 1898 gegründeten Vereins erreicht hat.

„Lokomotive des Feuerio“ hat ihn Senatspräsident Gerd Stolze mal getauft. Das stimmt, entwickelt er doch entscheidende Antriebskraft, pflegt wichtige Kontakte, stellt Verbindungen her, moderiert und koordiniert.

Natürlich tut er das mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der einen großen, traditionsreichen und erfolgreichen Verein hinter sich weiß und der an diesem Erfolg großen Anteil hat. Aber Tschierschke ist nicht laut, nicht polternd und auch niemand, der auf der Bühne eine große Show abzieht. Da überlässt er lieber anderen das Feld und beschränkt sich auf wenige Worte sowie Begrüßungen, und dass er da mit Namen und Titeln manchmal höchst kreativ umgeht, ist fast schon sein Markenzeichen geworden.

Tschierschke sieht auch das gelassen. Ihn hat gestärkt, dass er schon mehrere Schicksalsschläge meistern musste. In Heddesheim geboren, ging er nach der Grundschule aufs Gymnasium Ladenburg – aber konnte nicht bis zum Abitur bleiben, da er sich nach dem frühen Tod des Vaters um zwei Geschwister zu kümmern hatte.

Nach der Ausbildung zum Kaufmann und Weiterbildung zum praktischen Betriebswirt arbeitete er als Geschäftsführer von zwei Mannheimer Raumausstattungsfirmen. 1983 eröffnete er mit einem Onkel das T&K Wohnstudio Ludwigshafen, heute einer der wenigen inhabergeführten Handels- und Dienstleistungsbetriebe in der Objekt- und Raumgestaltung in der Region.

Aus der Krise geführt

Seit 1989 leitet er ihn allein, weil der damalige Mitinhaber wegen Krankheit ausschied. An der Seite hat er seine Frau Kirsten, mit der er seit 1980 verheiratet ist und die ihm als Kauffrau und Buchhalterin den Rücken frei hält – in der Firma wie auch, ganz wichtig, im Feuerio.

Den Verein führt er wie einen mittelständischen Betrieb, und er achtet konsequent auf Wirtschaftlichkeit. Das war nicht immer so. Als Tschierschke 1984 – seinerzeit von Herbert Siebert entdeckt und als „wortgewandt, erfrischend unverkrampft sowie schlagfertig gerühmt“ – Prinz wurde, traten beim Weißen Ball noch teure Stargäste wie Julia Migenes auf.

Gleich nach seiner Kampagne ging der Waldhof-Fan Tschierschke in den Elferrat, wurde Außenminister, dann Technikminister. Ab 1995 half der Vater von zwei Kindern als Vizepräsident an der Seite von Joachim Mayer, den damals völlig überschuldeten Feuerio aus der existenzbedrohenden Krise zu führen. Auch das hat ihn sehr geprägt. Für Tennis oder Fitness bleibt ihm daher nur noch wenig Zeit.

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