Mannheim

Neknedmu – Umdenken

Bevor Sie sich auf die Suche nach einem Fremdwörterlexikon machen oder sich eingoogeln, gebe ich erstmal Entwarnung: Brauchen Sie nicht – das Geheimnis der Überschrift wird gleich gelüftet. Denn als Kinder und junge Jugendliche (später wurde das dann uncool) haben wir uns oft in Geheimsprache verständigt. Eine davon war, eben alle Wörter einfach umdrehen und von hinten schreiben, lesen, sprechen. Das gibt manchmal ganz schön lustige und kreative Kombinationen. Probieren Sie es mal aus! „Andersrum“ macht Spaß und ist nicht nur anstrengend.

Vorbild für das „Andersrum“ ist für mich Jesus. Nicht so sehr der Sprache, eher seines Handelns und seiner Überzeugungen wegen. Er ließ sich von Johannes dem Täufer inspirieren, ja, er war ein richtiger Fan von ihm. Der stand im Fluss Jordan und hat die Menschen aufgefordert, umzudenken. Metanoite ist Griechisch und heißt: Denkt um! Dieses Umdenken – manchmal auch Querdenken – hat Jesus übernommen und bis zu seinem gewaltsamen Tod durchgezogen. Wahrscheinlich hat es ihn auch das Leben gekostet, denn die religiösen Führer der damaligen Zeit konnten mit Umdenken gar nicht gut umgehen. „Da tritt uns jemand auf den Schlips! Das können wir nicht akzeptieren!“ Es fordert sie heraus. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Kirche tut sich total schwer

Meine Kirche (die katholische), die Politik und Organisationen jeder Art tun sich mit Umdenkprozessen und Veränderungen total schwer. Aber es ist vor allem auch etwas, das jeden Einzelnen betrifft. Und das ist auch das – Sie haben es sicher vermutet –, was Jesus uns zumutet: Umdenken. Darum kommen wir nicht herum, wenn sich letztlich in Kirche, Politik und Gesellschaft im Großen und im Kleinen etwas verändern soll.

Beispiele gefällig? Fremde junge Menschen sind in der Stadt unterwegs, telefonieren mit einem Smartphone. „Die haben die teuersten Geräte. Wie können sie sich das leisten? So was habe ja ich nicht mal.“ Umdenken heißt an der Stelle: Versetze dich in die Lage dieses Menschen. Heimat verloren, Besitz zurückgelassen, vielleicht Familie verloren, entwurzelt. Da kann so ein schickes Smartphone schon ein bisschen Halt geben. Ich kann mir überlegen: Was könnte dieser Mensch – außer dem Smartphone – vielleicht brauchen? Ein nettes Wort möglicherweise?

Wo kann ich helfen?

In meiner Arbeit begegne ich einem Mann, der Gewalterfahrungen hinter sich hat und zum Täter wurde. Er hat geschlagen, missbraucht und verwundet. Das ist schlimm und nicht zu verharmlosen. Er leidet darunter und hat die Strafe dafür bekommen, zurecht. Aber bevor ich ihn innerlich verurteile, kann ich fragen, was dazu geführt hat. Schon als Kind wurde er missbraucht, geschlagen, in den dunklen Keller gesperrt. Konnte nie Liebe spüren oder angenommen sein. Das hat ihn geprägt. Was kann ihm helfen, wieder ins Leben zu kommen und das wiedergutzumachen, was er getan hat? Was kann ich dazu beitragen?

So denkt Jesus. Er sieht, begleitet und verurteilt nicht. Es geht um Annahme, um Vergebung und um Weiterentwicklung. „Andersrum“ ist immer Weiterentwicklung – hin zum Besseren, hin zum Leben. Die Fastenzeit ist gut geeignet, das zu üben.

HCI EREIBORP SE. EIS HCUA?

Andreas Korol

Diakon in der

Stadtkirche Heidelberg