Mannheim

Justiz Nach erfolgreicher Revision steht ein 53-Jähriger wieder vor Gericht / Die ihm vorgeworfenen Taten bestreitet er weiterhin vehement

Neuer Prozess um Missbrauch der Stieftochter

Wieder sitzt er im Gerichtssaal. Wieder geht es um die Vorwürfe, die er immer bestritt und die dennoch alles veränderten. Im März 2017 wurde der 53-Jährige vom Landgericht schuldig gesprochen. Drei Jahre und drei Monate sollte er ins Gefängnis. Für die Kammer stand fest, dass er seine Stieftochter in zehn Fällen sexuell missbraucht hat. 10 000 Euro Schmerzensgeld sollte er ihr zahlen.

Doch die Anwälte des Verurteilten legten Revision ein. Im Dezember entschied der Bundesgerichtshof, dass der Prozess neu aufgerollt werden muss. Die Aussage des Opfers sei in der Urteilsbegründung lückenhaft wiedergegeben worden. Nun geht alles von vorne los. Nur eines steht fest: Eine höhere Strafe wird es für den Mann nicht geben.

Befragung ohne Öffentlichkeit

Wie versteinert wirkt der 53-Jährige, als die Staatsanwältin die Vorwürfe in allen Einzelheiten aufzählt. Zehn Fälle, die sich zu nicht näher bestimmten Zeitpunkten zwischen 2008 und 2014 abgespielt haben sollen. Damals lebte, auch das beschreibt die Ermittlerin, der Angeklagte mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter in einer Wohnung.

Der 53-Jährige soll das im Tatzeitraum zwischen sieben und 14 Jahre alte Mädchen beim Mathelernen mehrfach in die Hose gefasst haben, um sich selbst sexuell zu erregen. Einmal, so steht es in der Anklage, habe er sich zu der Stieftochter, die auf dem Bett fernschaute, gelegt und sie unsittlich berührt, ein anderes Mal habe er von ihr verlangt, ihn anzufassen. All diese Vorwürfe streitet der Angeklagte voll umfänglich ab, das lässt er durch seine Anwältin Inga Berg mit einem Satz erklären. Ausführlicher beantwortet der 53-Jährige die Fragen der Kammer zu seinem Lebenslauf. Nur als es um seine aktuellen Einkünfte geht, schweigt er plötzlich. Er legt dem Gericht den Jahresabschluss seines Ein-Mann-Unternehmens vor. „Eine Katastrophe“, murmelt er.

Mutter als Zeugin geladen

Früher habe er geschäftlich fest im Sattel gesessen, doch seit 2017 gebe es keine Großaufträge mehr. Er glaubt, es könnte mit den Vorwürfen zu tun haben, Belege dafür gebe es nicht, erklärt der Mann, als der Richter ihn nach dem Grund für den deutlichen Umsatzeinbruch fragt.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagt am Mittag das Mädchen aus. Zum zweiten Mal muss die mittlerweile 17-Jährige, die nun beim Vater lebt, alle Details beschreiben, die vielen Fragen der zweifelnden Gegenseite beantworten und sämtliche Erinnerungen in die Gegenwart zurückholen.

Die Mutter der 17-Jährigen lebt heute noch mit dem Angeklagten zusammen. Sie hatte ihrer Tochter damals nicht geglaubt – und das auch im Prozess ausgesagt. Nun ist sie erneut als Zeugin geladen, so wie viele andere Bekannte der Familie auch. Schon heute wird die Befragung im Gerichtssaal fortgesetzt. Das Urteil soll im Februar fallen. abo