Mannheim

Soziales Mannheimer Künstlerin Romana Rokvic erhält Preis für Übernachtungsstätten für Obdachlose

„Neues Quadrat – nur in Form eines Ikosaeders“

Archivartikel

„Das Produkt ist definitiv realisierbar – es hakt an der Duldung und der Handhabung.“ Romana Rokvic spricht von ihrem Ikosaeder, das sie im Februar im Mannheimer Zeitraumexit ausgestellt hat. Nun zählt sie mit ihrer Idee, der sie den Namen N8 Modul (ausgesprochen: Nachtmodul) gegeben hat, zu den zwölf Gewinnern des Ideenstark Wettbewerbs der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG).

Keine finanzielle Unterstützung

Um Obdachlose vor dem Kältetod zu bewahren, hat Rokvic zusammen mit zwei Kollegen – unter anderem aus dem Bereich Holzbau – das Ikosaeder, also ein Zwölfeck, entwickelt. Es soll als mobile Unterkunft dienen, die die Betroffenen täglich wieder neu aufbauen können. Wasserdicht, wärmespeichernd und luftzirkulierend. Mit dem neuen Namen N8 Modul geht Rokvic auch ein Stück weit auf die Stadt Mannheim ein: „Es gibt das Quadrat N8 in Mannheim nicht. Es ist sozusagen ein neues Quadrat – nur eben in Form eines Ikosaeders.“

Die Auszeichnung des Ideenstark Wettbewerbs würdige mehrere Impulsgeber, Innovationsstifter und Andersdenker, wie es in einer Pressemitteilung der MFG heißt. Genauer bedeutet das, die Gewinner erwartet ein einjähriges Coachingprogramm, bei dem die jeweiligen Experten in Gruppen- oder Einzeltrainings mit den jungen Kreativen über ihre Zukunft sprechen. „Sie sollen ihre Unternehmen hinterfragen“, erklärt Pressesprecher Bernd Hertl von der MFG. Wie groß wollen sie einmal werden? Welche Strukturen passen zum Unternehmen? „Die Frage, die sich die Gewinner stellen sollen, ist: ,Wo will ich einmal hin?’“ Neben den Coachings werden die Preisträger zudem zu einer Gruppenreise und verschiedenen Unternehmensbesuchen eingeladen.

Finanzielle Unterstützung gibt es keine. Für Rokvic ist das aber kein Problem:„Mit Geld könnte ich auch recht wenig anfangen.“ Dem Projekt fehle Struktur und noch immer die bahnbrechende Konstruktion. „Es muss schließlich schnell auf- und wieder abbaubar sein“, sagt Rokvic. „Das sind Menschen, die quasi immer auf der Flucht sind. Sie können nicht in den angebotenen Unterkünften übernachten, weil sie zum Beispiel traumatisiert sind.“ Das bedeute, mit dem Ikosaeder solle den Menschen trotzdem die Möglichkeit geboten werden, täglich ihre Nachtlager zu wechseln, immer wieder an unterschiedlichen Orten aufzuschlagen – Privatsphäre zu haben.

„Es muss also auch leicht zu transportieren sein“, so Rokvic. „Und deswegen ist es auch so wunderbar, dass ich an dem Programm teilnehme.“ Weil sie durch die vielen Coachings und das deutschlandweite Netzwerk von Kreativen und Unterstützern so viel dazulerne. „Mir wurden bereits zwei Trainer zugewiesen, die sich direkt mit meiner Idee beschäftigen und über das Jahr hinweg mit mir daran arbeiten.“

Stadt sieht die Idee kritisch

Die städtische Einrichtung für Wohnungslosenhilfe lehnt die Idee hingegen ab. Schon im Februar sprach sich der Leiter Hubert Ogon dagegen aus. Es könne nicht das gesellschaftliche Ziel sein, Menschen in solchen Boxen zu versorgen, sagte er damals dieser Zeitung. Ogons Stellvertreter Michael Schäfer bestätigt diese Aussage auf Anfrage: „Wir haben andere Betreuungsangebote für Obdachlose. Außerdem hat das auch ordnungsrechtliche Gründe.“ Mit solchen Iglus verhalte es sich nämlich wie mit einem Zelt: Wildcampen ist im städtischen Bereich nicht gestattet. „Wir halten außerdem nichts von solchen Kleinsthütten – das Ziel ist doch, den Menschen wieder eine Wohnung zu vermitteln. Und für jene, die nicht in unseren Notunterkünften übernachten können, finden wir individuelle Lösungen.“

Davon spricht Romana Rokvic, wenn sie sagt, es hake an der Duldung. „Deswegen möchte ich mich nicht auf eine bestimmte Kommune festlegen.“ Mannheim sei zwar der Ort der Entstehung, jedoch will die Konzeptkünstlerin landes- oder sogar deutschlandweit agieren. „Wichtig ist jetzt aber erst einmal, Struktur in das Produkt zu bringen und vor allem herauszufinden, wo und wie wir produzieren werden.“