Mannheim

Tabuthema Viele Gründe führen dazu, dass Menschen das Wasser fürchten – und sich darin bewegen zu lernen, ist schwer

Nichtschwimmer für immer?

Archivartikel

Schwimmen sollte jedes Kind nach der Grundschule können – der Unterricht ist bundesweit im Lehrplan vorgeschrieben. Doch immer wieder kommt es dazu, dass Menschen Nichtschwimmer sind, sei es als Kinder oder eben als Erwachsene. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine Voraussetzung, schwimmen zu lernen, ist zum Beispiel die Anzahl der Bäder in der Stadt, abhängig von der Finanzierung durch die Kommune. Oder die ÖPNV-Verbindung zum nächsten Schwimmbad, besonders im ländlichen Raum. Oder, ob sich privater Schwimmunterricht geleistet werden kann. Doch Ängste können dazu führen, dass aus einem Kind das nicht schwimmen kann, ein erwachsener Nichtschwimmer wird.

Anschluss verpasst

Und wenn es dann passiert, und man den Anschluss verpasst, dann wird es schwer, das Schwimmen zu lernen, je weiter die Zeit fortschreitet. Oft hätten Erwachsene Angst davor, sich der Herausforderung eines Schwimmanfängerkurses zu stellen, heißt auf der Internetseite der DLRG Mannheim für Interessierte. Viele von diesen berichteten davon, bei ihren ersten Schwimmversuchen nach altem Ausbildungsstil „ins Wasser geworfen“ worden zu sein, heißt es dort. Oder, beispielsweise aufgrund eines Unfalls, zumindest teilweise Angst vor dem Wasser bekommen zu haben. Sie trauten sich oft nur noch ins stehtiefe Wasser.

Sich nach vielen Jahren des „ängstlichen Umgangs mit diesem Thema nun endlich zu ,trauen´, erfordert sicherlich ein wenig Mut und Überwindung“, heißt es von der DLRG Mannheim weiter. Jetzt das Schwimmen beizubringen setze bei den Lehrenden vor allem viel „Geduld, Einfühlungsvermögen und eine gute Schwimmausbildung voraus“.

Das ist auch ein Grund dafür, warum die Schwimmlehrer für Erwachsene so rar sind. Denn ein 17-jähriger Schwimmlehrer stoße schnell auf ein Akzeptanzproblem, sagt Fabian Widder, Vorsitzender der Mannheimer DLRG. In der Region gibt es Kursangebote mit entsprechenden DLRG-Fachkräften beispielsweise in Ludwigshafen oder Heddesheim. Wegen der Corona-Pandemie hat Widder die Sorge, dass zunächst keine Kurse angeboten werden können – und somit noch weniger Menschen die Chance nutzen, doch noch schwimmen zu lernen. Er geht außerdem davon aus, dass die Leute durch die Einschränkungen in den Bädern auf Seen oder Flüsse ausweichen, um dort ins Wasser zu gehen.

Doch egal, ob sie schwimmen können oder nicht, baden an solchen Stellen ist lebensgefährlich – Widder befürchtet einen Anstieg der tödlichen Badeunfälle. Besonders wenn das Wetter in den nächsten Wochen stabiler und besser werden soll. Doch selbst wenn das Schwimmen erlernt wurde, heißt das noch nicht, dass sicher geschwommen werden kann. „Der sichere Schwimmer ist derjenige, der das Schwimmabzeichen in Bronze hat, der die Disziplinen dafür erfüllt“, erklärt Achim Wiese von der Gesamt-DLRG.

Auf diese Definition einigten sich die Kultusministerkonferenz und der Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung, in dem auch die DLRG ist. Neben der Definition wurde auch die Prüfungsordnung überarbeitet. Wert wird nun mehr auf die Ausdauerleistung gelegt, als nur auf Strecke und Zeit. Die Schüler lernten so, ihre Kraft besser einzuteilen.

Dass dieser Anspruch an den sicheren Schwimmer nun deutschlandweit für Grundschulkinder gelte, habe auch Auswirkungen auf die Ausbildung an den Schulen, sagt Wiese. „Denn einige Bundesländer haben gesagt: Wir bilden in der Grundschule bis zum Seepferdchen aus. Dann können unsere Kinder schwimmen. Und da haben wir jetzt tatsächlich den Haken dahinter gesetzt, dass das eben nicht so ist. Denn das Seepferdchen sei kein Schwimmabzeichen, sondern Wassergewöhnung, betont er. (mit dpa)

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