Mannheim

Sport-Rückblick Vor genau 60 Jahren spielte der SV Waldhof am Silvestertag im Grünwalder Stadion

Niederlage auf vereistem Rasen

Archivartikel

Am 18. Dezember 1960 hätte der SV Waldhof in der Oberliga Süd, der damals höchsten deutschen Spielklasse, beim FC Bayern München antreten sollen. Doch am Vormittag des Spieltags reisten die Mannheimer unverrichteter Dinge wieder ab. Der Grund: Der Süddeutsche Fußballverband hatte die Partie aufgrund der Flugzeugkatastrophe, bei der am Tag zuvor nach einem Absturz in der Nähe der Theresienwiese 52 Menschen ihr Leben verloren hatten, abgesagt.

Mit der Absage folgte der SV Waldhof dem Aufruf des damaligen Münchener Oberbürgermeisters Hans Jochen Vogel, von allen Vergnügungsveranstaltungen bis Weihnachten abzusehen. Als Nachholtermin für das Gastspiel der Waldhöfer in Giesing war der 31. Dezember 1960 bestimmt worden. Die Bedingungen, die im Grünwalder Stadion in München heute vor genau 60 Jahren vorherrschten, ließen an jenem Silvestertag jedoch keinen filigranen und kombinationsfreudigen Fußball erwarten.

Die Rasenfläche des Stadions war von einer geschlossenen Schneedecke überzogen, die beiden Teams agierten mit hoch und lang geschlagenen Bällen, das Prinzip Zufall regierte vor dem Kniff mit taktischen Finessen. Die Voraussetzungen waren trotz der widrigen, ja fast schon irregulären Bedingungen dennoch klar: Der SV Waldhof wollte zum ersten Mal die Heimreise aus München mit einem Sieg antreten, nachdem man im Hinspiel bereits dem großen Favoriten nach einem 1:4-Rückstand noch ein Unentschieden habe abluchsen können. Der „Mannheimer Morgen“ schrieb über die Anfangsphase der Partie: „Zwar begannen die Waldhöfer das Spiel mit äußerst temperamentvollen Angriffen, aber schon in diesen ersten Minuten, in denen die Münchner Hintermannschaft zunächst nicht im Bilde war, zeigte sich, daß der Waldhof-Sturm nicht imstande war, zwingende Torchancen herauszuspielen.“

Schon früh rückte der Waldhof-Schlussmann und spätere langjährige A-Jugend-Trainer und Betreuer Kurt Kobberger in den Mittelpunkt des Geschehens. Er vereitelte mehrere Chancen der Münchener. Dennoch wirkten viele Aktionen auf dem eisbedeckten Boden statisch, abgehackt und wenig athletisch.

Die Fernsehbilder erinnerten eher an einen Schlittschuh-Erstlingskurs denn an hochklassigen Fußball. Auch Kobberger profitierte von den widrigen Bedingungen, wie der „MM“ konstatierte: „Einige Male hatte er aber auch Glück, daß der Ball in torreifen Situationen im letzten Augenblick im Schnee steckenblieb.“ Goldener Torschütze des Spiels war Walter Wagenbauer, der bereits in der 6. Minute für den FC Bayern München den Siegtreffer markierte und damit eines der wenigen Silvesterspiele in der Geschichte des SV Waldhof mit einer Niederlage besiegelte. Der damalige „MM“-Redakteur hatte die Schuldigen in der SVW-Offensive ausgemacht. „Der Mannheimer Sturm blieb auch in der zweiten Halbzeit, als die Münchner Spieler konditionell stark abbauten, erfolglos [...], wobei natürlich der Schnee auch den Waldhof-Stürmern das Leben genauso so sauer machte, wie den Bayern, nur daß deren Angriffe immer erheblich klüger und gefährlicher waren.“

Bis zum ersten Sieg gegen den FC Bayern mussten die Waldhof-Anhänger noch knapp 24 Jahre warten – in der Bundesliga siegten die Blau-Schwarzen im Olympiastadion mit 2:1.

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