Mannheim

Niederlande dienen als Ideengeber

Archivartikel

Schon nach drei Tagen in Amsterdam fühle ich mich wie eine echte Niederländerin: Ich radle („fietse“) waghalsig in Richtung Redaktionsgebäude, meine nassen Haarspitzen frieren im eisigen Fahrtwind ein. Einen Föhn habe ich im Drogeriemarkt nicht gefunden.

Ich arbeite eigentlich in der Online-Redaktion des „MM“, verbringe aber gerade zweieinhalb Monate in den Niederlanden, um bei der überregionalen Tageszeitung „Trouw“ zu hospitieren. Dafür habe ich ein Stipendium der Internationalen Journalisten-Programme bekommen – und den Segen meiner Chefs in Mannheim. Sie unterstützen Austausche, sicher auch, weil es unserer Zeitung guttut, wenn wir Redakteure gelegentlich über den Tellerrand hinausblicken.

Nach einem zehntägigen Intensivsprachkurs kann ich zwar unfallfrei „koffie verkeerd met havermelk“ (Milchkaffee mit Hafermilch) bestellen – aber einen Artikel schreiben? Mit den neuen Kollegen klappt es schon mal gut. Das, was ich mit ihnen spreche, muss man wohl „Diederländisch“ nennen.

Immerhin: Sie verstehen mich. Während sie (mit Lärmschutzkopfhörern) in einem Großraumbüro mit Platz für mehr als 100 Mitarbeiter sitzen, wundern sie sich über „kleine Büros mit ständig geschlossenen Türen“ in Deutschland. Auch darüber, dass dort der Großteil der Kollegen Vollzeit arbeitet, denn hier ist die Viertagewoche längst gängig: weniger work, mehr life.

Es geht beim Austauschprogramm natürlich auch darum, Geschichten mit nach Hause zu bringen. Deswegen fietse ich oft durch Amsterdam, fahre nach Rotterdam, nach Eindhoven, in die Kulturhauptstadt Leeuwarden.

Von jedem Ausflug komme ich mit Fragen zurück. Ich will wissen, warum man hier keine Obdachlosen auf der Straße sieht. Oder wie Amsterdam mit den erdrückenden Touristenmassen umgeht. Mehr dazu demnächst in unserem „Wochenende“. 

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