Mannheim

Medizin Beim Nephrologen-Kongress dreht sich vieles um die Schwerpunkte Diabetes und Blutdruck / Mehr als 2000 Teilnehmer

Nieren-Experten im Rosengarten

Die Niere ist so etwas wie das Klärwerk unseres Körpers, das mit vielen Organen vernetzt ist. Und deshalb können andere Erkrankungen die hochkomplexe Filteranlage massiv beeinträchtigen. Bei der 9. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) gehören auch Diabetes und Bluthochdruck zu den Schwerpunktthemen. Bis einschließlich Sonntag werden im Rosengarten um 2300 Teilnehmer erwartet.

Für Kongresspräsident Bernhard Krämer von der Universitätsmedizin Mannheim steht fest: "Bluthochdruck ist eine komplexe Erkrankung", die es stärker nach persönlichen Risiken und jeweiliger Konstitutionen zu behandeln gelte.

Auf Basis der Ergebnisse einer großangelegten Untersuchung, der "SPRINT-Studie", soll künftig bei Patienten mit Risikofaktoren rund um Herz und Gefäße, bei einer chronischen Nierenerkrankung und einem Alter jenseits der 75 ein Blutdruck unterhalb von 135 zu 85 angestrebt werden.

Ungünstiger Lebensstil schuld

Aber was tun, wenn sich der Blutdruck nur schwer medikamentös einstellen lässt? Diese Frage bewegt viele Ärzte. Hinter dem Phänomen stecke nicht immer eine "echte" Therapieresistenz, gibt der zweite Kongresspräsident Martin Hausberg (Karlsruhe) zu bedenken. Häufig erweise sich ein ungünstiger Lebensstil mit zu üppigem (wie salzreichem) Essen und zu wenig Bewegung als kontraproduktiv. Hinter einem aus dem Lot geratenen Blutdruck könnten aber auch Schädigungen des Filterorgans stecken - beispielsweise mangelnde Durchlässigkeit einer Nierenarterie. Da Nierenschäden den Blutdruck "hochtreiben", so Hausberg, sei gerade bei solchen Patienten die Einstellung schwierig.

Die Zahlen sind erschreckend: Jedes Jahr müssen allein in Deutschland um die 2000 zuckerkranke Menschen neu dauerhaft an die Dialyse - weil 30 bis 40 Prozent aller Diabetiker Schäden an dem Filterorgan entwickeln. Umso erfreulicher, dass Antidiabetika der jüngsten Generation nicht nur den Blutzuckerspiegel senken, sondern auch die Niere schützen, wie DGfN- Sprecher Jan Galle betont.

Zu dieser neuen Medikamentengruppe zählen Wirkstoffe, welche die Rückaufnahme von Glukose (Blutzucker) in feinen Strukturen des Nierengewebes hemmen. Es gibt darüber hinaus Substanzen, deren Mechanismus über die hormonelle Steuerung des Darms läuft.

Geschäft mit Online-Daten

Die Jahrestagung setzt sich auch mit nicht-medizinischen Fragen auseinander: Wem gehören angesichts von Online-Gesundheitsdiensten die Patientendaten? Denn diese versprechen "ein dickes Geschäft". Und deshalb fordert der Präsident der Fachgesellschaft, Mark Dominik Alscher, dass die Politik regulierend eingreift. "Wer sich eine Medikamenten-App herunterlädt, weiß mitunter nicht, dass er damit preisgibt, wann er welche Medikamente einnimmt." Aber genau solche Daten, die Rückschlüsse auf chronische Krankheiten zulassen, könnten verkauft werden - auch an potenzielle Arbeitgeber oder Lebensversicherer, warnt Alscher.