Mannheim

Geburtstag Bloomaul und Altstadtrat Leo Pfanz-Sponagel wird 90 Jahre alt / Landwirt mit Herz

Noch täglich auf dem Acker

Archivartikel

„Elend!“ Fragt man Leo Pfanz-Sponagel, wie es ihm geht, kommt diese Antwort. Seine Stimme klingt aber kraftvoll-kämpferisch und ironisch wie immer. Doch ausgerechnet kurz vor seinem heutigen 90. Geburtstag haben Wildschweine mal wieder den Acker durchpflügt, den der populäre langjährige Landwirt, Lehrer sowie beliebte Altstadtrat und Träger des Bloomaulordens nach wie vor bewirtschaftet – und zwar auch noch mit 90 Jahren!

Den ganzen Sommer über ist er mit seinem Wägelchen über das Feld gezogen, hat es bewässert. Kartoffeln, Gurken, Tomaten und Bohnen pflanzt er an und erntet reichlich – wenn nicht gerade mal wieder Wildschweine sich austoben. Daher wird er sich demnächst mal wieder mit Jagdfreunden auf die Lauer legen, auch um die benachbarten Erdbeerplantagen zu schützen.

Der eine Hektar Land am Nordrand von Alt-Käfertal ist seine Verbindung zur Scholle. Verniedlichend spricht er von „Garten“. Aber das hier ist seine Welt, hier verbringt er viele Stunden, hier fühlt er sich wohl. Denn im Herzen ist Leo Pfanz-Sponagel, Vater von drei Kindern, immer Bauer geblieben.

Lehrer von Xavier Naidoo

Er stammt aus einer Käfertaler Landwirtsfamilie, die sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Früh hat er gelernt, Tiere zu füttern, Spargel, Tabak oder Kartoffeln anzubauen. Nach dem Krieg besuchte er auch noch die Landwirtschaftsschule. Aber von den über acht Hektar Land seiner Familie wurden viele Äcker erst von den Amerikanern für den Kasernenbau beschlagnahmt, dann für den Bau des neuen Stadtteils Vogelstang gebraucht. Also paukte er parallel zur Feldarbeit auf der Abendschule, holte das Abitur nach, ging auf die Pädagogische Hochschule, wurde Lehrer und 1975 bis zur Pensionierung 1990 Rektor der Feudenheim-Realschule.

Seine Schüler haben ihn in allerbester Erinnerung – nicht nur, weil er mal eine Ziege mit in den Unterricht brachte, um ihn anschaulich zu gestalten. Menschlich, bodenständig, mit viel Herz und Verständnis für individuelle Talente und Schwächen. Wer seinen Abschied miterlebt hat, denkt heute noch mit Gänsehaut an jene Tränen, die damals flossen. Es spielte die Schulband „Farewell“ – jene Formation, in der die Karriere von Xavier Naidoo begann, der ebenso Schüler von Leo Pfanz-Sponagel war wie der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei.

Historisch versiert

Pfanz-Sponagel fand 1954 zur CDU, war Vorsitzender der Jungen Union. 1964 zog er in den Gemeinderat ein, wurde wegen seiner bürgernahen Art stets mit besten Ergebnissen wiedergewählt und schied erst 2004 als damals dienstältester, auch bei der politischen Konkurrenz hoch geachteter Stadtrat aus. Da erhielt er den, selten vergebenen, Ehrenring der Stadt.

Landwirtschaft, Politik, der Umgang mit jungen Leuten – all das hat Leo Pfanz-Sponagel jung gehalten, dazu kommen acht Enkel.„Ich hätt’ nie gedenkt, dass ich 90 Johr’ alt werd’“, sagt er. Es geht ihm „nach wie vor einigermaßen gut, und wenn mol was wehtut, geht’s vorbei“, will er nicht klagen.

Historisch ist er enorm versiert, Namen und Jahreszahlen quer durch die Jahrhunderte sprudeln geradezu aus ihm heraus. Auch aktuell stets weiter bestens informiert, eine schier unerschöpfliche Quelle herrlicher Anekdoten und herzerfrischenden Humors – all das ist er nach wie vor: einfach ein Mannheimer Original, dem man stundenlang wunderbar zuhören kann und von denen es leider nicht mehr viele gibt.