Mannheim

Nur mal kurz die Welt retten

Archivartikel

Die Folgen des Klimawandels, die wachsenden Plastikmülllawinen, der drohende Verkehrsinfarkt – all das lässt sich nicht mehr ignorieren. Wir Menschen in den Industrienationen leben über unsere Verhältnisse. Wir zerstören unsere eigene Lebensgrundlage. Das Tragische ist, dass wir es im Alltag nicht bemerken. Dabei könnte es so einfach sein: Jede und jeder kann etwas gegen die Ausbeutung der Erde tun und so die Welt retten. Und doch ist die Lage irgendwie komplizierter.

Was kann ich tun? Zur Arbeit in den Mannheimer Quadraten fahre ich jeden Tag mit dem Fahrrad. Ich verbessere dadurch meine persönliche CO2-Bilanz und brauche deutlich weniger Parkraum als mit dem Auto. Mein Kollege versucht, weitestgehend auf Plastik zu verzichten. Er putzt sich sogar mit Zahnputztabs die Zähne, um das Plastik der Zahnpastatube zu vermeiden. Andere Menschen fliegen nicht mehr in Urlaub, weil Umweltbelastungen durch das Fliegen so hoch sind.

Ab und zu Verbote

Und die Auswirkungen? Jeden Tag fahren Zehntausende mit dem Auto durch Mannheim. Was macht es da für einen Unterschied, dass ich mit dem Fahrrad fahre? In den Geschäften gibt es Produkte, die mehr Plastikverpackung haben als Inhalt. Was macht es da für einen Unterschied, dass mein Kollege auf die Zahnpastatube verzichtet? Im vergangenen Jahr gab es so viele Flüge in Deutschland wie nie zuvor. Was macht es da für einen Unterschied, wenn jemand bewusst auf Flugreisen verzichtet?

Die Auswirkungen des individuellen Handelns scheinen so gering zu sein, dass es sich doch gar nicht lohnt, auf irgendetwas zu verzichten. Einige Politiker wollen deshalb unser Verhalten durch Verbote beeinflussen. Sie werden schnell als Öko-Terroristen bezeichnet, die uns die Freiheit rauben wollen. Ist die Welt also gar nicht mehr zu retten?

Angesichts meiner eigenen Kinder macht mich dieser Gedanke nervös. Ich wünsche mir für sie eine lebenswerte Zukunft. Was also tun? Tatsächlich werden wir wohl nicht ganz ohne Verbote auskommen, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen.

Realistische Alternativen

Verbote machen dann Sinn, wenn es realistische Alternativen gibt. Wenn wir den Individualverkehr mit dem Auto verringern wollen, dann müssen die Möglichkeiten im öffentlichen Personenverkehr und für das Fahrradfahren ausgebaut werden. Gibt es realistische Alternativen, kommt es auf die Entscheidung des Einzelnen an. Wenn Alternativen nicht genutzt werden, kann sich nichts zum Besseren wenden – auch wenn die Auswirkungen des individuellen Handelns noch so gering erscheinen.

Als Christ bestärkt mich dabei der Glaube, dass Gott diese Welt geschaffen hat und dass er sie uns anvertraut hat. Gott traut uns zu, dass wir diese Welt und seine Geschöpfe achten und rücksichtsvoll behandeln. Wir sind als freie Menschen geschaffen. Unser Handeln müssen wir deshalb gegenüber unserem Gewissen und gegenüber Gott verantworten.

Darin liegt die Verantwortung, die wir für unser Handeln tragen. Nicht als Drohung eines strafenden Gottes, sondern als Zutrauen eines stärkenden Gottes. Mein Handeln hat Auswirkungen, und Gott traut mir zu, diese auch zu erkennen. Aber retten muss ich als Mensch diese Welt nicht. Das darf ich getrost dem Schöpfer überlassen.

Ulf Günnewig, Dekanats- referent im Katholischen Stadtdekanat Mannheim