Mannheim

Oase auf 400 Quadratmetern

Archivartikel

Der Schrebergarten erlebt eine Renaissance – besonders in diesem Jahr. In der Corona-Krise ist die Nachfrage so hoch wie nie. Neben dem Erholungsraum für Homeoffice-Geplagte bietet der Kleingarten außerdem Lebensraum für die heimische Tierwelt. Von Katharina Koser

Die Corona-Krise hat so manchen Ferienplan vereitelt. Zwar sind die Reisewarnungen für viele Länder wieder aufgehoben, doch vielen scheint die Lust auf Auslandsreisen in diesem Jahr vergangen zu sein. Schließlich kann man es sich auch zu Hause gemütlich machen. Gestiegen ist nicht nur die Nachfrage nach privaten Pools – einen regelrechten Corona-Boom erfahren zurzeit die Kleingartenvereine.

25 davon gibt es in der Stadt Mannheim. Sie sind im Bezirksverband der Gartenfreunde Mannheim organisiert, dem noch 13 Vereine aus umliegenden Städten und Gemeinden angehören. Die Größe der Mannheimer Vereine variiert erheblich – zwischen 27 (Verein der Gartenfreunde Mannheim-Vogelstang) und über 900 (Kleingärtnerverein Mannheim-Süd) Einzelgärten.

„Wir werden geradezu überrannt von Bewerbern“, berichtet Gisela Mappes, Erste Vorsitzende der Kleingarten-Daueranlage Sellweiden. Normalerweise gebe es im Jahr rund 35 Kündigungen von Pachtverträgen, die dann neu vergeben werden können, „aber dieses Jahr sind es vielleicht vier oder fünf“. Die Sehnsucht nach der eigenen grünen Oase ist offenbar so groß wie nie. „Klar“, sagt Mappes, „das ist ein grünes Fleckchen, wo man jeden Tag hin kann, um sich zu erholen. Die Kinder können spielen oder im Planschbecken rumspringen… Gerade wenn man nicht in den Urlaub kann, ist so ein Garten wertvoll.“

Ein Drittel „Nutzgrün“

„Das Interesse, einen Garten zu pachten, ist zurzeit sehr groß“, bestätigt auch Gisela Schwarz, Erste Vorsitzende der Gartenfreunde Wallstadt. Allerdings habe die Bereitschaft, ein Ehrenamt im Verein zu übernehmen, nachgelassen. Es sei auch nicht immer einfach, den Pächtern nahezubringen, „dass das zwar ihr Garten ist, aber dass man da trotzdem nicht machen kann, was man will“. Die Kleingartenordnung der Stadt Mannheim, der die Grundstücke gehören, schreibt Bedingungen vor, zu denen eine Parzelle gepachtet werden kann. So muss beispielsweise mindestens ein Drittel der Fläche muss mit „Nutzgrün“ bepflanzt sein. „Gerade die jungen Leute pflanzen vermehrt Gemüse und Kräuter an, das hat mich positiv überrascht“, sagt Mappes.

Das Wohnen im Garten ist verboten, wobei das einmalige Übernachten in der Regel kein Problem darstellt, wie Brigitte Szafranski, Erste Vorsitzende der Gartenfreunde Mannheim-Rheinau, erklärt: „Wenn da die Kinder mal im Garten zelten wollen, ist das in Ordnung.“ Auch in ihrem Verein wurden kaum Pachtverträge gekündigt, dafür fallen die vielen Bewerbungen auf: „An einem Abend hatten wir fünfzig Anmeldungen.“

Hat man eine Parzelle ergattert, sind die Kosten dafür recht überschaubar. In Mannheim belaufen sich die Pachtgebühren bei einer Maximalgröße von 400 Quadratmetern auf 21 Cent pro Quadratmeter. Dazu kommen Mitgliedsbeiträge an die Vereine, Kosten für Strom und Wasser sowie gegebenenfalls Ersatzzahlungen für Gemeinschaftsarbeit. „Bei uns haben Sie insgesamt etwa 150 bis 200 Euro pro Jahr laufende Kosten“, fasst Frank Schäffler, Zweiter Vorsitzender der Gartenfreunde Mannheim-Ost 1910, zusammen.

Bei Übernahme eines Gartens fällt dazu einmalig die Ablösesumme an den Vorpächter an. „Die Pacht ist für das Grundstück. Alles, was darauf ist, also Gartenhaus, Bäume und so weiter, hat einen zusätzlichen Wert und muss dem Vorbesitzer abgekauft werden“, erklärt Schäffler. Die Ablösesumme wird in der Regel von Wertermittlern festgelegt und richtet sich danach, in welchem Zustand der Garten ist: „Für einen durchschnittlichen Kleingarten sind Sie mit etwa 3500 Euro dabei.“

Naturnahe Gestaltung der Gärten

Neben dem Erholungsfaktor leisten Schrebergärten auch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, wie Paul Hennze, Vorsitzender der Mannheimer Gruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) erklärt: „Die Gartenanlagen machen einen erheblichen Prozentsatz der Fläche aus, die für Bepflanzung freigehalten wird.“ Man könne zwar immer noch etwas verbessern, zum Beispiel darauf achten, dass sich viele Blühpflanzen und Obstbäume im Garten befinden, die Insekten anziehen. Doch durch die zunehmend naturnahe Gestaltung der Gärten fänden immer mehr Tiere wie Insekten und Vögel dort einen Lebensraum: „Viele denken, dass das nichts ausmacht, aber man kann auch mit einem kleinen Garten etwas tun. Kleingärten sind wertvoll.“

Aktion: Mannheims schönster Kleingarten gesucht!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir suchen den schönsten Kleingarten in Mannheim. Falls Sie einen besonders schönen, interessanten oder vielleicht auch skurrilen Schrebergarten besitzen oder jemanden mit einem solchen kennen, freuen wir uns über Ihre Zuschrift mit Angabe von Name, E-Mail und Telefonnummer an lokal@mamo.de 

Haben Sie auch eine eigene kleine Oase? Dann teilen Sie doch ihr grünes Glück mit uns - und laden Sie ein Foto davon in unserer Bildergalerie hoch.

Zum Thema