Mannheim

Neujahrsansprache Die Rede von Oberbürgermeister Peter Kurz in Wortlaut-Auszügen / Klimaschutz braucht Zustimmung vieler

Oberbürgermeister Kurz: „Es gibt keine Teilzeit-Diktatur“

Archivartikel

In seiner Neujahrsansprache stellte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) im Mozartsaal den Klimaschutz, das Hauptthema des Empfangs, in den Mittelpunkt. Er ging aber auch auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und auf Themen wie Verkehr und die Bundesgartenschau 2023 ein. Im Folgenden ausgewählte Passagen im Wortlaut:

Klimaschutz

„Seit über 150 Jahren treiben Markt und Technologie ein Wachstum, das immer mehr Ressourcen verbraucht. Wie es gelingt, Technologie und Marktmechanismen so einzusetzen, dass dies endet, ist die entscheidende Frage. Gelingen kann dies nur mit einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit. Diese breite Zustimmung haben wir noch nicht erreicht. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck, die Diskussion wird zugespitzter, angstvoller und auch aggressiver und dies treibt einen Keil in die Gesellschaft, der Kräfte bindet.

Wir können dies sehen an der Generationsdebatte über Omas angeblich unökologisches Verhalten in den letzten Tagen. Nicht wenige fühlen sich drangsaliert und moralisch zu Unrecht angegriffen. Andere verlieren ihr Zutrauen in die Gesellschaft, manche glauben gar nicht mehr an Dialog und demokratische Prozesse und fordern immer unverhohlener autoritäre Maßnahmen, die sie in allen anderen gesellschaftlichen Fragen ablehnen. Nur gibt es eben keine Teilzeit- oder Themenfeld-Diktaturen.“

„Es geht nicht einfach um ein Weniger sondern um ein Besser. Und: Es gibt kein Recht auf „schlecht“. Es gibt kein Menschenrecht darauf, schlechtes Fleisch aus der Styropor-Box zu essen und diese danach auf die Straße zu werfen. Dafür zu sorgen, dass solch ein Irrsinn aufhört, ist keine Verarmung, sondern macht die Welt besser.

Das alles geht nicht von heute auf Morgen. Es geht darum, zu beginnen – Schritt für Schritt. Einen großen Unterschied würde es schon machen, wenn nicht mehr 85 Kilogramm Lebensmittel pro Person und Jahr weggeschmissen würden. Als Stadt haben wir uns 2019 an vielen Stellen auf den Weg gemacht und begonnene Projekte entschieden fortgesetzt.“

Die Neujahrsansprache auf dem YouTube-Kanal der Stadt Mannheim

Bundesgartenschau

„Die Bundesgartenschau ist durch Gestaltung des Grünzugs und die Freimachung von 60 Hektar bebauter Fläche ein wichtiger Beitrag zu Nachhaltigkeit und Klimaanpassung. Leider müssen wir durch Verzögerung der Räumung auf die schrittweise Übergabe des Geländes 2020 warten. Noch können diese Verzögerungen aber ohne Einschränkungen unserer Planungen aufgeholt werden. Die Bundesgartenschau ist übrigens auch die Chance, den Blick auf unsere Stadt weiter positiv zu verändern. Dass dies ein langer Weg ist, wissen wir seit über 100 Jahren, selten waren wir aber soweit gekommen wie heute. “

„Mit der Sammlung der Reiss-Engelhorn-Museen und dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie gibt es hier ein bedeutendes Eiszeitarchiv und eines der weltweit führenden Institute für die Erforschung des vergangenen Klimas. Bedeutende Erkenntnisse für das Verständnis des globalen Klima- und Umweltwandels in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden hier gewonnen. Mannheim ist ein einzigartiger und authentischer Ort, um das Thema Klimawandel in all seinen Facetten vollumfänglich und generationsübergreifend zu diskutieren und zu präsentieren. 2020 beginnen wir mit einer großen Ausstellung in den REM und 2023 wird die BUGA auch dafür eine Plattform sein.

Wie es überhaupt darum gehen wird, mit der BUGA nicht nur zu unterhalten, sondern auf aktuelle Fragen konkrete Antworten zu geben, wie Ernährung, Artenschutz, Landwirtschaft, Gärten und Stadtgrün, Energie und Wohnen in der Zukunft gestaltet werden können.“

Verkehr

Die Bedeutung einer ausreichenden Verkehrsinfrastruktur ist in den letzten Monaten sehr deutlich geworden. Die Tatsache, dass anstatt einer mit wenigen zehn Millionen Euro veranschlagten Sanierung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen ihr Abriss feststeht, ist eine gravierende Herausforderung für die Region.

Dies hat weitreichende und richtige Konsequenzen für die weiteren Planungen in Ludwigshafen gehabt: nämlich höchste Priorität auf den Ersatz der Hochstraße Süd und mittelfristigen Erhalt der Hochstraße Nord. Unsere bislang auf anderen Voraussetzungen beruhende Instandhaltungsplanung für die Brücken wird nun anzupassen sein, sobald die notwendigen Maßnahmen für die Hochstraße Nord beschrieben sind.“

Info: Hier geht es zur Rede in voller Länge.

Zum Thema