Mannheim

Tiere Viele importierte „Billig“-Hunde landen im Heim – für die Besitzer eine teure Angelegenheit

Oft sind die Impfpässe gefälscht

Das Internet verändert die Welt – das gilt auch für viele Bereiche, in denen es niemand erwartet. Für das Tierheim hat das neue Medium Gutes und Schlechtes gebracht.

Zuerst das Positive: Der Verein hat eine professionell gemachte Homepage, auf der neben Informationen Fotos und Infos zu Tieren stehen, die ein neues Zuhause benötigen. „Dann bei uns anzurufen und zu sagen: „Den Hund hätte ich gern!“ geht aber nicht“, erklärt Vereinsvorsitzender Herbert Rückert. Die Interessenten müssen Auskunft über ihre Erfahrung im Halten von Tieren und den zur Verfügung stehenden Platz geben.

Negativ ist die Vermittlung von Tieren aus dem EU-Ausland per Internet an private Käufer, denn viele von ihnen landen schließlich im Tierheim. Herbert Rückert zeigt einen EU-Heimtierpass, laut dem das Tier am 5. April 2018 geboren, jedoch bereits am 1. April geimpft wurde (Bild). „Es gibt viele Leute, die sich nebenbei mit dem Tierhandel Geld verdienen.“ Beispielsweise werde ein Zwergspitz aus Osteuropa im Internet für rund 300 Euro angeboten, ein Exemplar eines deutschen Züchters kostet bis zu 1000 Euro.

Mängel im Impfpass

Von den „Billigimporten“ landen allein im Mannheimer Tierheim jährlich rund 25. Dies meist, weil der Impfpass gefälscht war oder bei der Tollwutimpfung die Bestätigung für die Wirksamkeit fehlte – und die ist Pflicht, wenn das Tier aus einem Land stammt, wo es diese Krankheit noch gibt. Außerdem seien die Tiere oft krank und geschwächt, deswegen gehen die neuen Besitzer zum Tierarzt. Falls eine Infusion fällig ist, kostet die um die 500 Euro. Und wenn der Arzt bei einem Hund aus einem „Tollwutland“ Mängel im Impfpass feststellt, kommt er acht Wochen in Quarantäne ins Tierheim, was pro Tag um die 19 Euro kostet – für den Besitzer. Der vermeintlich günstige Kauf kann schnell teuer werden – zumal er oft an der Haustür oder auf einem Parkplatz stattfindet und der Verkäufer in Rumänien, Bulgarien oder Portugal nicht greifbar ist.

Der ehemalige Polizist erklärt, dass eine Tollwutimpfung erst im Alter von mindestens acht Wochen verabreicht werden könne und es erst nach weiteren vier Wochen im EU-Kleintierpass die Bestätigung für die Wirksamkeit gebe: „Ein legaler Verkauf mit diesen Nachweisen ist also frühestens ab dem Alter von zwölf Wochen möglich.“

Nicht stubenrein

Das hat für den Hund schlechte Auswirkungen: „Für einen Welpen ist das eine sehr belastende Zeit, weil er gerade in dem Alter Sozialkontakte aufbaut und lernt“, sagt Rückert. Zumal viele Tiere von den Geschäftemachern schon viel zu früh von der Mutter getrennt wurden und damit deren Erziehung fehlt: „Die Trennung sollte frühestens acht Wochen nach der Geburt geschehen.“

Die Folge bei den „EU-Importen“: Sie sind nicht stubenrein sowie nicht an andere Tiere gewöhnt und beißen womöglich bei Angst. Rückert: „Der Besitzer sollte Erfahrung mit der Erziehung haben.“ Doch das ist bei vielen nicht der Fall. Wenn in der Wohnung jeder Teppich nach Urin stinkt und aus dem süßen Welpen ein nervender und bissiger Kläffer geworden ist, möchten die Besitzer das Tier wieder loswerden. So landen sie oft im Tierheim.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe erklärt auf Nachfrage, dass die Tiere aus dem EU-Ausland zwar oft als „Straßenhunde“ angeboten, jedoch extra gezüchtet werden. Oft fehle das Gesundheitszeugnis oder sei gefälscht – das betrifft auch Alter und Tollwutimpfung.