Mannheim

Nachruf Mäzen Karlheinz Schies gestorben / Der erste Geldtransporteur Deutschlands

Ohne Abschluss zum Millionär

Archivartikel

Er war der erste Geldtransporteur Deutschlands, hat sich seine gepanzerten Wagen dafür selbst gebaut – und später mit seiner Mannheimer Panzerkarosseriebau GmbH Geldtransport-Spezialfahrzeuge für ganz Deutschland hergestellt: Karlheinz Schies, bekannt nur unter seinem Spitznamen „Panzer-Schies“. Nach langer Krankheit ist er jetzt im Alter von 88 Jahren gestorben.

Noch beim Blumepeterfest half er aber als Spender – wie seit Jahrzehnten. Denn der warmherzige Familienmensch wirkte lange Zeit als sehr zurückhaltender, persönlich äußerst bescheidener, aber in der Wirkung sehr großzügiger Mäzen.

Dabei hatte ihm sein Vater einst vorhergesagt, dass er mal verhungern werde, weil er die Schule schmiss. Fünfmal hat er eine Lehre begonnen und wieder abgebrochen, als Tellerwäscher, Schiffsschaukelbremser auf der Mess und Viehtreiber auf dem Schlachthof gearbeitet. 1958 wanderte er in die USA aus –von einer großen Delegation des Feuerio, in dessen Spielmannszug er zuvor die große Trommel schlug, verabschiedet. Er reparierte Flugzeugmotoren, fand eine Anstellung in einer VW-Werkstatt, gründete seine eigene Werkstatt in Chicago. Er war dort ein gemachter Mann – aber das Heimweh war stärker: „Die schänscht Stadt uff de Welt is doch Mannem“, sagte Schies mal.

Also kam er 1964 zurück und machte ab 1966 viel Geld damit, dass er ebendieses transportierte sowie Fahrzeuge dafür entwickelte und herstellte. Sein Sohn Henry führt das Werttransportgeschäft, spezialisiert auf Automaten, weiter. Karlheinz Schies hatte sich ab 2003 zurückgezogen und, gemäß seinem humanitären Streben als Freimaurer, sein Vermögen in eine Stiftung eingebracht. Von „Schies-Pulver“, wie er seine Mittel selbst manchmal nannte, profitierten Schulen, Kindergärten, Vereine. Stets war er Gönner des Feuerio. Besonders engagierte er sich aber im Mannheimer Norden, wo der Sandhofener verwurzelt war. Mit dem „Platzhaus“ mit Gastronomie sowie einem Brunnen am Stich schenkte er Sandhofen einen neuen Treffpunkt in der Ortsmitte. Zudem stiftete er für den Waldfriedhof Brunnen und Glockenturm sowie zuletzt ein Café als Treffpunkt nicht nur für die Trauernden, sondern für alle Gartenstädter. Auf dem Waldfriedhof wird er nun auch seine letzte Ruhe finden. 

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