Mannheim

Soziales Malteser Migranten Medizin wird fünf Jahre alt / Lob und Dank an Ehrenamtliche von Gesundheitsbürgermeisterin Freundlieb

„Ohne Finanzschübe geht es nicht“

Archivartikel

Bei den Donnerstag-Sprechstunden der Malteser sind (wie berichtet) Menschen willkommen, die kein Versicherungskärtchen haben. Gleich welcher Nationalität werden Menschen ohne Krankenschutz untersucht und behandelt – auf dass niemand aus dem Gesundheitssystem rutscht. All jenen, die das Projekt seit fünf Jahren ermöglichen, ist eine Geburtstagsfeier gewidmet.

In der Neckarstädter Herz-Jesu-Gemeinde hat die etwas andere Praxis mit sechs Fachärzten (Innere Medizin, Kinderheilkunde, Gynäkologie) sowie betreuenden Pflegekräften und Dolmetschern – alle ehrenamtlich tätig – ihr mietfreies Domizil. Hier schenkt der aus Freiburg angereiste Malteser-Diözesanleiter, Baron Mentzingen, der Malteser Migranten Medizin (MMM) ein viertes „M“ – für Mannheim. Schließlich hat es die Malteser Medizin in der Quadratestadt zur viertgrößten Anlaufstelle ihrer Art hinter Berlin, Hamburg und München gebracht – was beachtlich ist und von einem riesigen Bedarf kündet. Gesundheitsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb betont in ihrer Gratulationsrede, dass MMM, ob mit drei oder noch einem zusätzlichen „M“, einen wichtigen Beitrag zur „gesundheitlichen Versorgung der ganzen Stadt leistet“.

Spritze als Symbol

Als Fachdezernentin lobt sie ausdrücklich, dass zum Angebot der medizinischen Basisversorgung die regulären Impfungen bei Neugeborenen und Kindern gehören – und die nehmen auch Familien aus Bulgarien und Rumänien wahr. Stadtdekan Karl Jung dankt als Schirmherr, dass sich die Malteser Medizin „an den Rändern unserer Gesellschaft“ um Menschen kümmert, die unter dem sozialen Radar leben. Eine Spritze hebt die organisatorische Leiterin Daniela Carrara schwenkend in die Höhe und erklärt, dass dieses Pieks-Instrument nicht nur therapeutische Symbolik besitzt – es stehe auch für Finanzschübe, „ohne die es nicht geht“. Und solche leisten (beispielsweise für Medikamente) viele Förderer: vom Caritasverband über den Lions Club Mannheim Quadrate bis hin zu Unternehmern und Privatpersonen.

Wie wichtig die Rolle der ehrenamtlichen Dolmetscher ist, schildert Kinderarzt Thomas Müller: Ihm ist bei einem vier Monate alten Säugling dessen gekrümmte Haltung aufgefallen. Mit Hilfe eines Übersetzers gelang es, den Eltern gezielte Baby-Übungen und Lagerungen zu vermitteln, so dass eine dauerhaft schiefe Wirbelsäule (Skoliose) verhindert werden konnte.

Die Malteser Medizin praktiziert Nähe ohne abschottende Grenzen. Diese Offenheit zeigt sich auch im Team, zu dem Tuba Günaydin gehört: Die Mannheimer Muslima mit türkischen Wurzeln engagiert sich in der christlichen Einrichtung als Übersetzerin. Den vor einem Jahr gefassten Entschluss habe sie keine Minute bereut, erzählt die junge Frau mit Kopftuch. Klar, dass an dem Abend auch die Musiker „fer umme“ spielen: die wunderbare Gruppe Band Jazz‘n 4 You und der ehrenamtliche Arzt Ewald Jammers mit Sohn Benjamin.