Mannheim

Landgericht Plädoyers im Prozess um Messerattacke / Staatsanwalt fordert fünf Jahre Haft

Opfer weiter in Behandlung

Gestern fand am Landgericht der Zweite Prozesstag gegen eine 62-Jährigen statt, er soll seiner Ex-Freundin im September auf der Rheinau aufgelauert und in einem Flur eines Mehrfamilienhauses mehrfach auf sie eingestochen haben. Er floh, als ein Nachbar erschien und das Opfer ihm mit einer Schreckschusspistole ins Gesicht schoss. Am gleichen Tag wurde er in Neuss festgenommen.

Der bullige 62-Jährige hatte ein ungewöhnliches Argument genannt, das belege, wieso er seine Ex-Freundin nicht töten wollte: Er sei im Messerkampf geübt – hätte er sie umbringen wollen, hätte er nicht ins Gesicht gezielt. Das habe der Angeklagte Frank M. bei der Vernehmung ausgesagt, erklärte ein Polizist, der gestern als Zeuge erschien. Die Frau hatte allerdings auch einen Stich im Oberkörper. Bei der Vernehmung habe der Angeklagte gesagt, dass dies bei der Abwehrbewegung entstanden sein muss. Frank M. – nach eigenen Angaben Sinti – habe bei der Vernehmung erklärt, dass er der 41-Jährigen einen „Hurenschnitt“ zufügen wollte: Dies sei bei Sinti üblich, um „untreue“ Frauen für andere Männer unattraktiv zu machen.

Verteidiger Michael Eichin hatte gestern überraschend zwei Zeugen präsentiert, die vom Gericht unter Vorsitz von Gerd Rackwitz zugelassen wurden. Beide machten nahezu identische Aussagen: Sie wohnen in Wuppertal und sind seit der Jugend Freunde von M. Dieser habe ihnen seine Beziehung mit der 41-Jährigen geschildert: Zuerst war eitel Sonnenschein, später habe er sich von der Frau hintergangen gefühlt.

Zahlreiche Vorstrafen

Ein psychiatrischer Gutachter erklärte, dass M. früh mit sozialen Verhaltensstörungen aufgefallen sei: Heimaufnahme im Alter von 13 Jahren war die Folge. Der Angeklagte sei ein „wendiger Mensch mit flottem Denken“. Richter Rackwitz nannte ein Dutzend Vorstrafen aus dem Strafregister – Betrug, Raub, Vergewaltigung, Steuerhinterziehung, Fahrerflucht und mehr.

Bei den Plädoyers ging die Staatsanwaltschaft nicht von einer geplanten Tötung aus – auch, weil der Stich in den Brustkorb kürzer als die Klinge und damit nicht mit voller Kraft ausgeführt wurde. Die Entstellung im Gesicht des Opfers sei jedoch gravierend: „Sie wird bei jedem Blick in den Spiegel an die Tat erinnert. Die Frau befindet sich in psychologischer Behandlung.“ Angesichts der Vorstrafen seien fünf Jahre Haft angemessen. Verteidiger Eichin schloss sich den Ausführungen an, forderte aber unter fünf Jahre. Der Anwalt des Opfers als Nebenkläger ging von einem versuchten Tötungsdelikt aus.

Frank M. sagte nach den Plädoyer: „Ich werde die Verantwortung für die Tat tragen.“ Nach der Haft wolle er als Lkw-Fahrer arbeiten und im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleich der Frau Geld bezahlen. Am Montag, 16. April, wird um 14 Uhr voraussichtlich das Urteil verkündet. ros