Mannheim

Reaktionen Politiker aus Mannheim und Ludwigshafen bewerten möglichen Verzicht auf Bus- und Bahnfahrkarten unterschiedlich

Parteien bevorzugen Ausbau der Infrastruktur

Mannheim.Grundsätzlich sind sich fast alle einig: Verbesserungen im Öffentlichen Nahverkehr wären begrüßenswert und notwendig. Aber die Beurteilung von Gratisangeboten fällt bei den Politikern verschiedener Parteien unterschiedlich aus.

Überwiegend positiv beurteilt die SPD die Idee, Busse und Bahnen kostenlos anzubieten. „Das hat Charme, man darf auf die weiteren Planungen gespannt sein“, sagt Landtagsabgeordneter Stefan Fulst-Blei – auch wenn er Bedenken wegen der praktischen Umsetzung hat. Sein Fraktionskollege Boris Weirauch spricht von einer „guten Nachricht aus Berlin“. Aber Bundesmittel sollten „auch dazu genutzt werden, das Angebot von Bus und Bahn in Mannheim insgesamt auszuweiten“. Kostenloser Nahverkehr, so der SPD-Fraktionssprecher im Gemeinderat, Ralf Eisenhauer, sei „ein großer Wurf“. Das passe „zu unserem Vorschlag eines fahrscheinlosen Verkehrs mit einer Mannheim-Karte“.

Sein Kollege von der CDU, Claudius Kranz, sagt, die Fraktion habe sich mit einem vollständig entgeltfreien System noch nicht beschäftigt, weil es dazu bislang keine Finanzierungsmöglichkeiten gebe. Grundsätzlich seien Gratis-Tickets ein „sinnvoller Ansatz“, über den man reden müsse. Aber für wichtiger hält er den Ausbau der Infrastruktur. Kostenlos-Angebote allein seien „zu eindimensional gedacht“.

Für die Ludwigshafener CDU steht die „Schaffung weiterer Kapazitäten“ im Vordergrund. Deren stellvertretender Fraktionssprecher Daniel Beiner legt außerdem Wert darauf, dass in ein Pilotprojekt „die Schwesterstädte Ludwigshafen und Heidelberg“ einbezogen werden.

„Nicht konsequent durchdacht“

„Freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist eine alte grüne Idee“, sagt Hans-Uwe Daumann, Fraktionssprecher der Ludwigshafener Grünen. Doch den Vorschlag aus Berlin hält er für „nicht konsequent durchdacht“. Vorrang brauche es Investitionen ins Nahverkehrssystem „und in möglichst emissionsfreie Fahrzeuge“. Auch für die Mannheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Zimmer gehören „eine Angebotsausweitung, eine Taktverdichtung und modernes, barrierefreies Wagenmaterial“ zu einem besseren Nahverkehr. Die grundsätzlichen Überlegungen aus Berlin begrüßt sie. Stadtrat Gerhard Fontagnier betont, der Bund müsse jetzt mit den fünf Modellstädten über die konkrete Umsetzung verhandeln und: „Er muss bereit sein, ein solches Angebot entsprechend zu finanzieren, und auch der zukünftige Ausbau der Nahverkehrsangebote muss gesichert sein. Man könnte ja schon mal zeitnah damit beginnen, ein kostenfreies Sozialticket einzuführen.“

Die Mannheimer Liste würde ein Gratis-Angebot „ausdrücklich begrüßen“, sagt Roland Weiß. Ausdrücklich begrüßenswert findet das auch Thomas Trüper (Linke). Aber viele Fragen seien nicht geklärt. Volker Beisel (FDP) gibt zu bedenken, ein kostenloses Angebot gebe es eigentlich nicht: „Irgendjemand muss immer dafür bezahlen – sonst kriegt der Busfahrer sein Gehalt nicht.“

Ablehnung kommt von der Bürgerfraktion. Eberhard Will spricht von „völlig absurdem Theater“. Hier solle der „alte kommunistische Traum – jeder nach seinen Bedürfnissen“ verwirklicht werden. bhr

Zum Thema