Mannheim

Waldhof-Serie Vierbeiniger Fan, in Polizeiuniform geflüchteter Schiedsrichter und ein heikles Datum: An einem 27. Mai verspielte der SVW vor 23 Jahren den Aufstieg

„Pauline“ glaubt fest an Blau-Schwarz

Heute Morgen wird sich vor der Waldhof-Geschäftsstelle am Alsenweg eine lange Schlangen bilden. Nur hier sowie im Online-Ticketshop (unter www.svw07.de) und bei Diesbach Medien in Weinheim gibt es ab zehn Uhr Karten für das Aufstiegs-Heimspiel am 27. Mai (nachmittags, Anstoßzeit offen). Der Gegner steht nun fest: Es ist der KFC Uerdingen. An jenes Datum, an dem beide Mannschaften im Carl-Benz-Stadion aufeinandertreffen, hat unser Leser Gerhard Ewald schlechte Erinnerungen: Vor 23 Jahren sei am 27. Mai die sicher geglaubte Erstliga-Rückkehr verspielt worden. Aber diesmal gehe alles gut, hofft er. Andere Leser schickten uns tolle Fotos.

Petra Seitz: Als Assistentin des damaligen Waldhof-Geschäftsstellenleiters Stephan Pfitzenmeier kam Petra Seitz 2015 an den Alsenweg – und brachte dabei ihre Bulldogge „Pauline“ mit. „Jeden Morgen durchsuchte Pauline die Rucksäcke aller Kollegen und schob in den Büros die Bälle zueinander. Selbst auf dem Feld hätte sie Trainer Kenan Koczak und den Spielern gerne ihre Trainingsbälle stibitzt“, erzählt die Halterin über ihren fußballbegeisterten Hund, der sich unter dem Namen „Waldhof-Pauline“ sogar auf einem eigenen Facebook-Profil als Fan präsentiert. Beim ersten Anlauf zum Drittliga-Aufstieg hat Seitz, die bis 2017 für den SVW arbeitete, live „mitgelitten und mitgefiebert“, beim dritten Mal wird die Mannheimerin verreist sein, drückt ihren „Buwe“ aber fest die Daumen.

Kay Sommer: Ein historisches Bild aus der Zweitliga-Saison 1974/75 unter Trainer Philipp „Fips“ Rohr 1974/75 hat Fotograf Kay Sommer uns zur Verfügung gestellt. Gegen wen sich der offensive SVW-Mittelfeldspieler Karl-Heinz Mießmer im Chio-Chips-Trikot genau durchsetzt, weiß Sommer, der zu dieser Zeit nicht nur für den „MM“, sondern auch als Waldhof-Teamfotograf mit direktem Kontakt zu den Spielern arbeitete, zwar nicht mehr. Aber klar in Erinnerung ist ihm noch, dass es eine „wirklich verrückte Zeit“ war. Kostprobe gefällig? „Ich kann mich noch an einen Moment erinnern, als die Fans beim Schiedsrichter eine Fehlentscheidung witterten und sich nach Abpfiff vor der Kabine zusammenrotteten, um ihm ein paar zu verpassen. Hätte der sich nach draußen gewagt, wäre er nicht mehr heil nach Hause gekommen. Ein Polizist stellte das dann ganz gerissen an, begab sich rein, gab dem Mann seine Uniform und verhalf ihm so zur Flucht – ein Wahnsinn!“

Gerhard Ewald: Es passierte am 27. Mai vor 23 Jahren. An diesen Tag erinnere ich mich noch, als ob es gestern gewesen wäre. Bei herrlichem Wetter fuhr ich mit Freunden zum Auswärtsspiel unseres SV Waldhof nach Saarbrücken. Im Gepäck eine Kühltasche mit Sekt und Champagner für die geplante Aufstiegsfeier. Der 1.FC Saarbrücken hatte keine Lizenz mehr für die 2. Bundesliga bekommen und musste in der nächsten Saison in die Regionalliga. Es ging für die Saarländer also um gar nichts mehr. Der Waldhof allerdings wäre bei einem Sieg an diesem denkwürdigen 32. Spieltag der Saison 1994/95 in die 1. Liga zurückgekehrt. Die Stimmung war prächtig. Rund 80 Prozent der 7800 Zuschauer kamen aus Mannheim. Beste Voraussetzungen also für ein Fußballfest. Auf dem Spielfeld sah es dann allerdings anders aus. Unser Traum-Mittelfeld mit Fabrizio Hayer, Michael Zeyer und Norbert Hofmann wirkte seltsam gehemmt und ideenlos. Fast alle Zweikämpfe wurden verloren. Die gesamte Mannschaft schleppte sich wie gelähmt über den Platz. In der 39. Minute schoß Max Moore das 1:0 für die Saarländer. In der Halbzeit dachten wir noch „Na ja, den knappen Rückstand biegen wir noch um“. Es wurde jedoch nicht besser. Im Gegenteil. In der 62. Minute fiel das 2:0 durch Thomas Stickroth. Die Schlachtgesänge der Waldhöfer verstummten völlig, als erneut Max Moore in der 77. und 83. Minute noch zwei Treffer draufsetzte. Der Schock saß tief, denn das war’s mit dem Aufstieg. Obwohl es heiß war an diesem Tag, verlief unsere Rückfahrt nach Mannheim in eisiger Atmosphäre. Es wurde kein Wort gesprochen. Jeder kämpfte für sich mit der Verarbeitung dieses nicht für möglich gehaltenen Debakels. Erst an der Ausfahrt Sandhofen fragte einer meiner Kumpels: „Wolle ma noch uffs Schdadtfeschd gehn“? Ich antwortete kurz und trocken: „Halt äfach die Gosch, ich geh häm . . .“ Für die schmerzliche Niederlage gibt es bis heute keine plausible Erklärung. Vielleicht war der Druck für die Akteure zu groß. Eine zweite (Verschwörungs-)Theorie hält sich: Die älteren Spieler hätten gar nicht aufsteigen wollen, weil ihre Verträge eine Liga höher wohl nicht verlängert worden wären. Aber: „Des glaab ich näd.“ Ein bisschen erschrocken bin ich, als ich hörte, dass das zweite Aufstiegsspiel dieses Jahr am 27. Mai stattfinden wird. Aber es ist ja ein Sonntag und außerdem spielen wir im Carl-Benz-Stadion. Keine Panik: „Diesmol schaffe mers!“ sma/mer

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