Mannheim

Marktplatz Fest vom Marchivum erinnert mit Musik und Lesungen an die Revolution von 1848

Pfiffe für die Freiheit

Archivartikel

Gellende Pfiffe schallen über den Marktplatz. Es sind vielleicht 200 bis 250 Menschen, welche die kleinen, dazu eigens verteilten weißen Trillerpfeifen zum Mund führen – und dadurch weitere Neugierige anlocken. Die Pfiffe sind kein Protest – im Gegenteil, die Leute wollen als Bekenntnis zur deutschen Demokratie ihr gemeinsam ein Ständchen pfeifen, „freudig trällern“, wie die Musiker der Gruppe „Patapan“ sagen. Denn dazu dient dieses Fest.

Anfangs verlieren sich in der warmen Nachmittagssonne nur sehr wenige Menschen auf dem Marktplatz zu dieser Veranstaltung „Ein Hoch auf die Freiheit! Mannheim feiert die Demokratie“. Aber dann werden es doch mehr, die gezielt kommen oder neugierig schauen, was da von „Patapan“ für Lieder gesungen werden. Sie beschwören „Menschenrechte und das Bürgerglück“, betonen „Wir sind doch keine Knechte der freien Republik“.

Führender Beitrag Mannheims

Die Lieder, Rezitationen von den Schauspielerinnen Bettina Franke und Monika-Margret Steger, hintergründig-ironische Rap-Einlagen von Tobias Schirneck – sie alle sollen das sein, was Bürgermeister Lothar Quast in seiner Begrüßung eine „positive Erinnerungskultur“ nennt.

Im Auftrag des Gemeinderats hat das Marchivum das Fest nämlich vorbereitet – als eine von mehreren Veranstaltungen, die an die Revolution von 1848 erinnern. Einige Besucher tragen bewusst „Hecker-Hüte“ als Hommage an den Mannheimer Revolutionär Friedrich Hecker, Marchivum-Chef Ulrich Nieß ist bewusst in Schwarz, Rot, Gold gekleidet, den Farben des Hambacher Fests und der Märzrevolution.

Pressefreiheit, Schwurgerichte nach dem Vorbild Englands, sofortige Herstellung eines deutschen Parlaments, Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft – im Wechsel lesen jetzt die beiden Schauspielerinnen jenen Text vor, der am 27. Februar 1848 genau hier, auf dem Marktplatz, als Petition der Mannheimer Bürger vorgetragen wurde.

„Das Vertrauen der Bürger in die väterliche Fürsorge des Großherzogs schwand, es brodelte allenthalben“, so Quast. Auch wenn die Revolution 1848 scheiterte, lange überlebte die Monarchie nicht mehr. „Die Idee von Freiheit und Demokratie hat sich durchgesetzt. Das Fundament wurde damals gelegt, und Mannheim hat einen führenden Beitrag dazu geleistet“, so der Bürgermeister. „Aber nichts von alledem ist selbstverständlich“, so seine Mahnung: Ehe Populisten diese Begriffe vereinnahmten, gelte es, diese Werte „immer neu zu verteidigen“.

„Ich begrüße die Idee“ – so Quasts Antwort auf eine Unterschriftensammlung von Altstadtrat Rolf Dieter an diesem Nachmittag. Er führt eine Initiative mehrerer Gruppen an, die Hecker mit einem Denkmal ehren will. Der Rechtsanwalt, einer der Anführer der Badischen Revolution, hat einst in Mannheim gelebt, gearbeitet und geheiratet. Nachdem er vergeblich die Republik ausgerufen hat und preußische Truppen die Aufständischen besiegten, ist er nach Amerika emigriert.