Mannheim

Bildung Lehrer kritisiert Vorbereitung für Fernunterricht

„Planlos und wenig weitsichtig“

Kein Probebetrieb, keine Fortbildung, wenig Masken und Abstand. Das beklagt ein Lehrer einer Mannheimer Schule. Weil er Konsequenzen fürchtet, will er anonym bleiben, beteuert aber: Ähnlich wie ihm geht es vielen Kollegen. „Ich fürchte, der anstehende Fernunterricht wird anstrengender und ineffizienter als der im ersten Lockdown“, schreibt er. Der Lehrer ist überzeugt: das anstehende Home-Schooling sei nicht ausreichend vorbereitet worden. „Ich empfinde das Vorgehen als planlos und wenig weitsichtig; im Sommer und Herbst wurden wichtige Chancen verpasst. Das drückt meine Motivation, ich fühle mich zunehmend resigniert.“

Ihm sei zudem keine Schule bekannt, an der es in diesem Schuljahr einen Probebetrieb für den Fernunterricht gegeben hat. Fortbildungen für Lehrer zum digitalen Lernen vermisst er ebenfalls. Sein Vorschlag: „Man hätte das erste Halbjahr zu Fortbildungen und Tests nutzen können, etwa in Form hybriden Unterrichts: Inhalte werden digital auf- und vorbereitet, im Klassenzimmer könnte man daran weiterarbeiten. Präsenzunterricht wieder voll einzuführen, wie es die Landesregierung plant, ist für ihn im Angesicht der aktuellen Infektionszahlen kaum verständlich.

RKI empfiehlt Wechselunterricht

Mit dieser Ansicht ist er nicht allein: So fordern Lehrerverbände in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Philologenverband Baden Württemberg, wegen der hohen Infektionszahlen eine schrittweise Öffnung mit Wechselunterricht. Sie verweisen auf die Empfehlung des Robert Koch-Instituts: Das sieht bei Sieben-Tages-Inzidenzwerten über 50 Wechselunterricht für alle Klassenstufen, bei einer Inzidenz über 35 Wechselunterricht an den weiterführenden Schulen vor. „Viele Schulen haben bereits vom letzten Lockdown im Frühjahr Modelle für den Wechselunterricht in der Schublade. Diese können sie ab 18. Januar umsetzen“, heißt es weiter. Ihre Forderung: Schulen sollten dafür flexible Umsetzungsmöglichkeiten in eigener Verantwortung erhalten statt starren Vorgaben vonseiten des Ministeriums.

Auch die „Freiwilligkeits-Lösungen“ lehnen die Verbände ab. „Dies wäre eine de facto Abschaffung der allgemeinen Schulpflicht, verletzt dadurch den Gleichheitsgrundsatz und lässt Kinder auf der Strecke bleiben.“„Grob fahrlässig“ seien auch die fehlenden Masken für Lehrkräfte und Schüler in den Kitas und Grundschulen, ebenso wie die nicht vorhandenen Luftreiniger in den Klassenzimmern.

Info: Erklärung der Verbände unter www.bit.ly/3q5LtTR 

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