Mannheim

Gesellschaft Knapp 250 Schüler setzen sich für mehr Umweltbewusstsein ein / „Bemerkenswertes Engagement“

Plastik meiden, Sonne nutzen

Archivartikel

Seine Stimme hallt über die Lautsprecher quer über den Alten Meßplatz. Wohlgemerkt: über die mit Plastik überzogenen Lautsprecher. Für Julius aus der Klasse 9a des Ursulinen-Gymnasiums ein Unding. Schließlich habe er gerade genau gegen Plastik demonstriert. „Wir müssen aufhören, große Reden zu schwingen, sondern endlich einmal aktiv etwas machen“, fordert der Neuntklässler und zeigt auf das viele Plastik im Demonstrationswagen um ihn herum. Die Zuhörer vor dem Wagen applaudieren. Jubeln. Rufen lauthals „Jawoll“. Zum Abschluss der vom Schülerbündnis „Together we stand“ (siehe Infobox) und dem Verein 68Deins! organisierten Demonstration für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt ist die Rede des Neuntklässlers ein inhaltlicher Höhepunkt. „Wenn wir mit Plastiklautsprechern gegen Plastik kämpfen, bringt das nichts.“

Unmittelbar zuvor waren am Freitagvormittag nach Polizeiangaben knapp 250 Schüler von verschiedenen Mannheimer Schulen vom Ehrenhof des Schlosses über den Paradeplatz zum Alten Meßplatz gezogen. Auch Thilo Dieing, Vorsitzender des Stadtschülerrats Mannheim und Initiator der Veranstaltung, lief mit. „Es waren viele motivierte Jugendliche dabei, die ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzten“, resümiert er bei strahlendem Sonnenschein, während im Hintergrund Michael Jacksons „We are the World“ aus den so ungeliebten Lautsprechern klingt.

Ausbau von Fahrradwegen „We are the world, we are the children“ – auf Deutsch: „Wir sind die Welt, wir sind die Kinder“. Kaum ein Liedtext wäre wohl passender gewesen als dieser von Michael Jackson. Immer wieder weisen die Jugendlichen drauf hin, was eine nachhaltigere Umweltpolitik bedeute. So fürchte ein Schüler der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried, seine Kinder hätten Nachteile, wenn sich der Umgang mit Plastikmüll und Ressourcen nicht ändere. Und Josephine vom Ursulinen-Gymnasium möchte, dass „endlich mehr Sonnenlicht genutzt und Ressourcen gespart“ werden.

Lehrer, deren Unterricht wegen der Aktion ausfiel, beteiligten sich als Ordner am Protestzug. Viel öfter müssten Schulen bei solch „wichtigen Themen zusammenarbeiten und die Jugendlichen in ihrem Bewusstsein für die Umwelt fördern“, fordert ein Biologielehrer, der allerdings nicht namentlich genannt werden möchte.

Wieder auf dem Alten Meßplatz: Thilo Dieing liest die vom Schülerrat erarbeiteten 15 Forderungen an die Stadt vor. Wieder Jubel. Wieder Applaus. Wieder Rufe nach mehr Nachhaltigkeit. „We are the world“ eben. Ein Verbot für Plastiktüten solle genauso verhängt werden wie umweltfreundliche Geschäfte stärker subventioniert. Auch separate Pfandkörbe an Schulen und ausgebaute Fahrradwege fordern die Schüler. Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb lobte das Engagement als „in unterschiedlichen Richtungen bemerkenswert“. So sei es in der Stadtgeschichte einmalig, dass sich Schulen zwei Jahre in Folge in der Art vernetzen und sich dadurch „fast schon traditionell neben dem Schulalltag auch für gesellschaftspolitisch relevante Themen engagieren“, freute sich die SPD-Politikerin.

2019 sollen andere Themen die Agenda von „Together we stand“ bestimmen – vielleicht gibt es dann eine Alternative zum Lautsprecher mit Plastik. Julius wird es freuen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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