Mannheim

Polit-Frechdachs: Opposition auf Imbiss-Tafeln

Es ist schon eine Weile her, dass er hier sein Unwesen trieb. In den Köpfen der Riesaer ist er noch immer präsent: der Nudel Walter. Sein Unwesen trieb der jetzt 64-Jährige auf witzige Weise. Heute besitzt er ein Juwelier-Geschäft in Aschaffenburg, früher betrieb er einen Imbiss in Riesa. Dicke Nudel, so hieß sein Geschäft.

Vor seinem Laden hatte er, wie viele andere Imbisse oder Restaurants, Tafeln angebracht. Beschrieben waren die aber nicht mit dem aktuellen Tagesmenü. Nein. Lutz Walter, so heißt der Mann, der heute in der Nähe von Aschaffenburg lebt, rechnete auf seinen Schildern mit der Kommunalpolitik ab. Auch schon zu DDR-Zeiten. Das war nicht überall gerngesehen. „Vor allem war es ungewöhnlich in der DDR“, sagt er heute am Telefon. Aber er hatte auch Fans, erklärt er. Die machten Fotos von seinen „Romanen“, wie er sie nennt. Er selbst hatte nie auch nur ein Bild von seinen Tafeln angefertigt. „Und ich bin auch froh drum“, sagt er mit einem Lachen in der Stimme. Tafeln beschriftet er noch heute. „Aber dann doch weniger gesellschaftskritisch“, erklärt er. „Mit mehr Witz.“

Er habe sich daneben in Aschaffenburg auch schon einen Namen gemacht. „Lutz Walter wäre nicht Lutz Walter, brächte er nicht auch Wessis zum Gaffen“, schreibt das Magazin „Frizz“ über ihn. „Bei den Aschaffenburgern fängt er an: Der kultige Maulaff kommt ihm da gerade recht.“ Der Maulaff ist eine in Aschaffenburg populäre Holz-Figur, die in Uniform auf einem Stock gestützt dasteht und weit den Mund aufreißt. Den verkörpert Walter nun. Kuriositäten sind für den ehemaligen Riesaer offenbar ein Muss. „Schreiben Sie nur, was Sie wollen über mich. Hauptsache, man kann darüber lachen“, sagt er. jor

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