Mannheim

Hintergrund Beamte werden gezielt auf Situation vorbereitet

Polizei zählt im Jahr etwa 60 Suizide

Archivartikel

Rund 30 Suizidversuche und etwa 60 vollendete Selbstmorde zählt das Polizeipräsidium Mannheim pro Jahr. Auch für das laufende Jahr rechnen die Beamten wieder mit ähnlichen Zahlen, die der Tendenz laut Aussage eines Sprechers folgen. Grundsätzlich legt die Polizei in der Kommunikation, aber auch im eigenen Handeln Wert darauf, das Thema mit Feingefühl zu behandeln. „Da meist persönliche Schicksalsschläge, körperliche Erkrankungen oder psychische Störungen dem Handeln zugrunde liegen“, wahre man in Suizidfällen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und berichte der Presse nur dann, wenn durch vollendete oder versuchte Selbsttötungen – etwa am Bahnhof oder auf einer Brücke – eine öffentliche Wirkung hergestellt worden sei.

Verhindern – auch mit Gewalt

In der Praxis, so Pressesprecher Dennis Häfner, würden die Beamten bei Suizidlagen in den seltensten Fällen von den Betroffenen selbst kontaktiert – vielmehr seien es meistens Zeugen, die die Beamten verständigten. Ist die Polizei nach Abschätzung der Entfernung erkennbar als erstes am Ort des Geschehens, haben die Einsatzkräfte sowohl das Recht als auch die Pflicht, einzugreifen. Um mögliche Suizidenten von ihrem Vorhaben abzubringen, haben die Beamten bereits in ihrer Ausbildung Seminare zu psychologischer Gesprächsführung absolviert. Das bedeutet konkret: Übersteigt eine Person bei drohendem Suizid ein Brückengeländer, müssen Polizisten die Gefahren für Leib und Leben abwehren – auch durch Festhalten. Nach einer Rettung werden Betroffene zunächst in Gewahrsam genommen und anschließend in fachärztliche Behandlung übergeben. Im Fall des Mannheimer Präsidiums geschieht das meist im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) oder im Psychiatrischen Zentrum in Wiesloch.

Weitere Retter vor Ort

Damit es so weit nicht kommen muss, verweist die Polizei besorgte Angehörige, oder erkennbar psychisch Erkrankte nicht nur an psychologische Beratungsstellen, die in Mannheim von der Stadt, aber auch von katholischen und evangelischen Kirchenverbänden angeboten werden. Auch die Rufnummern von Selbsthilfegruppen des Deutschen Roten Kreuzes sowie zahlreichen Selbsthilfeverbänden sind in den Revieren bekannt.

Vor Ort sind bei einem Suizideinsatz der Polizei meist weitere Retter von DLRG und Feuerwehr, auch Rettungssanitäter und Notärzte stehen in der Regel bereit. 

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