Mannheim

Nachtleben Betreiber Christian Weisenburg reagiert auf die andauernde Schließung seines Clubs

Pop-Up-Bar Charlie öffnet neben Chaplin

Archivartikel

„Eigentlich ist das komplett verrückt, was wir hier machen.“ Christian Weisenburger lässt sich trotzdem nicht von seinen Plänen einer Pop-Up-Cafébar in den Quadraten abbringen zu lassen. Seitdem der Nachtclub Chaplin infolge des Corona-Lockdowns Mitte März nicht mehr öffnen darf, ist es zwar ruhig geworden in N 7 – doch das will Weisenburger mit seinen zwei Geschäftsführungskollegen ändern. „Bei uns hat sich so viel Energie angestaut, und die mussten wir jetzt einfach in etwas Gutes investieren“, sagt der Unternehmer. In den zurückliegenden Wochen waren seine Gedanken geprägt von der Hoffnung einer schnellen Beruhigung der Pandemie auf der einen und Frust über zu wenig Unterstützung vonseiten Politik auf der anderen Seite.

Dank Soforthilfen und Rücklagen konnten sich die Betreiber des Chaplin bislang über Wasser halten. Mehr als 20 Mitarbeiter musste Weisenburger dennoch wahlweise in Kurzarbeit schicken oder sogar komplett entlassen. „Ein Desaster, das die gesamte Branche hart getroffen hat“, sagt er – und begibt sich dennoch bewusst von Neuem ins unternehmerische Risiko. Die Räume des Clubs bleiben unangetastet, aber in der alten Spielhalle direkt neben dem Chaplin sehen die Geschäftsleute enormes Potenzial. Mit Einverständnis der Eigentümer riss das Clubteam 20 Jahre alte Holzplatten von der Decke, strich die Wände dreifach, um Jahrzehnte zwischen Rauch und Zwielicht mit einem neuen Farbstrich zu überdecken und formte in etlichen Stunden aus der ehemaligen Spielhölle ein Café.

Im Eiltempo besorgten die Verantwortlichen vom Retro-Radio bis zur Chippendale-Möblierung Interieur, brachten bei der Stadt die Konzession auf den Weg, um in zwei Wochen eine Lounge öffnen zu können, die passend zum Chaplin den Namen Charlie tragen soll. „Vom Kaffee am Mittag bis zum Gin Tonic am Abend wollen wir so zeigen, dass es uns noch immer gibt“, sagt Christian Weisenburger.

Aus der Not geborene Initiativen wie diese machen den dringenden Handlungsbedarf für die Branche deutlich. Gemeinsam mit Nachtbürgermeister Hendrik Meier entwickelte der Mannheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel das Konzept eines Open-Air-Festivals für Betreiber aus der Region.

Gemeinsam mit seiner Stadtratsfraktion forderte er zudem nicht rückzahlungspflichtige Zuschüsse aus städtischer Hand (wir berichteten). Veranstaltungsexperten schätzten die Kosten für ein solches Festival in dieser Zeitung zuletzt auf 250 000 bis 500 000 Euro. Sprecher von Grünen und SPD äußerten zuletzt Kritik an dem Vorschlag. CDU-Stadtrat Thomas Hornung spricht gegenüber dieser Redaktion von einer „destruktiven Neid-Debatte“, die Kultursprecher von SPD und Grünen, Thorsten Riehle und Markus Sprengler warfen der CDU wiederum mangelnde Kommunikation vor. Einzig die Mannheimer Liste (ML) sieht in den CDU-Vorschlägen „wichtige Ideen“, die man nutzen solle, um „vom Kulturdezernat zusätzliche Impulse“ zu erreichen.

Geld für den Kulturfonds?

Auch Oberbürgermeister Peter Kurz hat nun mit einer eigenen Beschlussvorlage auf die Diskussion reagiert. Nach seinen Plänen soll die Verwaltung 90 000 Euro in den Kulturfonds der Metropolregion einzahlen, um notleidenden Clubs im ganzen Rhein-Neckar-Raum zu helfen. In den Fonds sollen auch weitere Kommunen einzahlen. Die CDU wiederum hält das Kurz-Vorhaben für „völlig deplatziert“, auch ML-Fraktionschef Achim Weizel will die Gelder einzig für Mannheim verwendet wissen. Am kommenden Dienstag (28.) tagt der Mannheimer Gemeinderat. Dann steht auch dieses Thema auf der Tagesordnung. Christian Weisenburger stellt klar: „Wenn es Vorschläge für die Unterstützung der Szene gibt, finde ich das großartig, aber nur dann, wenn sie vernünftig realisiert werden. Denn was die Stadt jetzt tut oder lässt, um uns zu helfen, wird für das ganze Metier richtungsweisend sein.“

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