Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Im Zeughaus werden Ausstellungen zu sakraler Kunst und „Mannheims Goldenem Zeitalter“ vorbereitet / Fördererkreis zahlt 85 000 Euro

Prachtvolle Schätze kehren zurück

Am 1. Advent soll Eröffnung sein: Bis dahin wird im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen sowohl die „Sakrale Schatzkammer“ neu gestaltet als auch eine völlig neue Dauerausstellung „Belle époque – Zweites Goldenes Zeitalter Mannheims“ geschaffen. Dazu genutzt werden Räume, in denen bis Ende November die große Päpste-Sonderschau stattfand.

„Sie sehen einen glücklichen Sammlungsleiter vor sich“ – so stellt Andreas Krock (Bild) sich vor. Er ist im Zeughaus für die Sammlung der Gemälde und Skulpturen zuständig. Dank dem Fördererkreis der Reiss-Engelhorn-Museen, der dafür nun 85 000 Euro bewilligte, kann er künftig seine Schätze, von denen viele derzeit im Depot lagern, viel besser präsentieren“ – mit neuer Konzeption, mit neuer Lichtregie“, so Krock. Schließlich rückt im gesamten Zeughaus die regionale Kunst- und Kulturgeschichte wieder in den Mittelpunkt. Ein Stockwerk ist ja bereits der Ära des Kurfürsten und der Porzellan-Sammlung gewidmet. 1500 Quadratmeter stehen jetzt noch Krock im zweiten Obergeschoss des Zeughauses zur Verfügung.

„Rother Altar“ als Herzstück

Nicht mehr wie bisher genutzt werden soll der linke Flügel des Erdgeschosses, wo ja früher die sakrale Kunst gezeigt wurde. „Das hat sich als nicht so geeignet erwiesen, diesen Bereich mit dem Zugang zum Fahrstuhl für so hochkarätige Objekte zu nehmen“, so Krock. Hier gibt es erste Überlegungen, eine Art „Förderkreis-Lounge“ einzurichten, den Raum mit Vitrinen auszustatten, an den Zeughaus-Erbauer Verschaffelt zu erinnern oder die historischen Bildteppiche wieder hervorzuholen.

Wieder glänzen soll die Mannheimer Sammlung sakraler Kunst, deren „Rother Altar“ als Herzstück gilt. Er ist ein Prunkstück der Sammlungen der Reiss-Engelhorn-Museen und herausragendes Beispiel deutscher Spätgotik, entstanden 1513 in der Werkstatt des renommierten Bildhauers Niklaus Weckmann und kostbar verziert. Benannt ist er nach seiner letzten kirchlichen Nutzung für die Kapelle in Roth bei Messkirch. In der Reformationszeit als „Kathedrale aus Holz“ angefeindet, teilweise zerstört, büßte er dabei unter anderem seine bemalten Seitenflügel ein. Schrein, Predella (Holz-Sockel) und die fünf Heiligenfiguren auf Holzzapfen blieben erhalten.

Als die Kapelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts renoviert werden musste, aber Geld fehlte, entschloss sich die Gemeinde, den Altar zu veräußern. „Wie es dem Mannheimer Altertumsverein damals gelang, den Zuschlag dafür zu erhalten, war wohl das Ergebnis mehrerer glücklicher Umstände und eines bevorstehenden Jubiläums“, so Krock. Denn 1909 konnte der kostbare Flügelaltar zum 50-jährigen Bestehen des Altertumsvereins 1909 mit Spendengeldern erworben und für Mannheim wie Baden gerettet werden.

Erinnerung an Jubiläum 1907

„Die Befürchtung wäre ansonsten nicht unbegründet gewesen, dass der Altar auseinandergerissen und die Figuren womöglich einzeln verkauft worden wären“, so Krock. Zunächst kam er damals ins Schlossmuseum, nach dem Krieg dann ins Zeughaus.

Hier soll er nun wieder aufgebaut werden – umgeben von Heiligenfiguren von Paul Egell, einem Vortragekreuz mit Gold und Bergkristall aus der Zeit um 1150 oder aber der prachtvollen, mit Perlen besetzten goldenen Sonnenmonstranz von 1694, die in der Jesuitenkirche an Fronleichnam noch in Gebrauch ist.

Aber nicht nur die barocke Glanzzeit der Quadratestadt soll wieder mehr in Erinnerung gerufen werden. Dank dem Fördererkreis kann Krock derzeit auch eine Präsentation erarbeiten, die den Untertitel „Geburt der Moderne und Mannheims zweites Goldenes Zeitalter“ trägt. Es geht um die „Belle époque“ an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als Mannheim durch die aufkommende Industrialisierung reich wurde, das wohlhabende Bürgertum die Stadt und ihre Kultur prägte.

Erinnerung an große Stifter

„So viel Geld war zuvor nie in der Stadt und auch danach nicht mehr“, so Krock. Er ruft die Erinnerung an den Bau des Wasserturms und den elektrisch illuminierten Friedrichsplatz zum Stadtjubiläum 1907 wieder wach, erinnert an die großen Stifter wie die Geschwister Reiß, die Erfindungen vom Auto bis zum erstmals in Mannheim präsentierten Siemens-Aufzug sowie das Aufkommen der großen Kaufhäuser. „Hektik und Muße der Großstadt“ ist ein Kapitel überschrieben, ein weiteres „Mobilität, Mode und Neue Weiblichkeit“. Dabei werde man „einige noch nie gezeigte“ Porträtbilder zu sehen bekommen, verspricht Krock, es soll aber nicht so ernst zugehen: Auch das Gastspiel von Sarah Bernhardt als „Kameliendame‘“ in Mannheim 1903 und eine Kurtisane macht er zum Thema.