Mannheim

Kinderfest Besucher standen vor neuen Attraktionen Schlange / Von Klassik über Kuscheltier-Krankenhaus bis zur Nähwerkstatt

Premiere für Schaffner und Teddy-Doktor

Archivartikel

Mannheim.Blitzschnell klettert Lena die Treppe zur Rollenrutsche hinauf, in die Plastikbox rein – und schon geht’s in Windeseile knapp zwei Meter über den Kapuzinerplanken abwärts. Mama Christine Zentner schüttelt nur lachend den Kopf: „Das ist heute bestimmt schon ihre fünfte Kistenfahrt.“ Während die Rutsche seit vielen Jahren zum festen Kinderfestangebot zählt, gibt es in diesem Jahr auch jede Menge Neuheiten.

Eine märchenhafte Premiere feiert Tanja Hamleh vom TourneeOper-Verein mit „Aida und der magische Zaubertrank“. „Was für eine tolle Chance“, resümiert Natalie Hartig, die Mutter von Lenas sechsjährigem Freund Emil. „Ich hätte mich nie getraut, mit ihm jetzt schon ins klassische Musik-Theater zu gehen.“ Doch Emil fand’s „echt gut“.

Plüschbär Bruno hat Bauchweh

Und wo hat Kurfürst Carl Theodor einst gewohnt? „Im Schloss“, weiß der siebenjährige Nick auf Anhieb, als die Moderatorin und Geschäftsführerin des Kurpfälzischen Kammerorchesters, Gabriele Gefäller, die kleinen Zuhörer auf musikalische Kostproben des Ensembles einstimmt. Die Musiker spielen jedoch keineswegs nur Klassisches aus der Zeit des Herrschers. Bei Leroy Andersons Jazz-Pizzicato erleben sie live, dass sich eine Geige auch hervorragend zupfen lässt.

Mit ein bisschen Zupfen allein ist es wohl nicht getan, wenn die Medizinstudentinnen Lioba Poppe und Haminh Dang ihren Kuscheltier-Patienten Bruno „operieren“. Das Kuscheltier-Krankenhaus ist zwar ein Kinderfest-Neuling, aber bereits im Premierejahr ein voller Erfolg. Das Zelt, in das Mädchen und Jungs ihre Kuscheltiere zur Behandlung bringen können, ist stets gut besucht. Während die fünfjährige Marie und ihre dreijährige Schwester Celine bei der Bauchoperation von Bruno helfen dürfen, erklärt ihnen ein angehender Arzt im weißen Kittel, wie eine Narkose vonstattengeht. „Und wo ist das Herz?“ will ein kleiner Junge wissen: „Meins ist nämlich auch schon mal operiert worden.“ Die zukünftigen Chirurginnen im zweiten Semester zeigen dem kleinen Ex-Patienten an dem wuscheligen Bären, wo welche Organe sitzen. „Toll, wie unbefangen die Kleinen mit dem Thema umgehen“, findet Studentin Lioba Poppe, die sich wünscht, dass die Kinder im Teddybär-Krankenhaus auch ein wenig Angst vor Arzt und Klinik verlieren: „Von der Untersuchung bis zum Fädenziehen.“

Selbst genähte Täschchen

Fingerfertigkeit ist auch in einer Neckarstädter Schneiderwerkstatt gefragt. Und zwar im Stoff- und Nähladen „Masche“, der mit einem Schnupperkurs ebenfalls zum ersten Mal auf den Kapuzinerplanken vertreten ist. „Das ist echt cool“: strahlend zeigt Rubina ein buntes Armband, das die Neunjährige eigenhändig genäht hat: „Weißt du, gelb und grün sind meine Lieblingsfarben.“ Das ist nicht zu übersehen. Das ist auch „Mache“-Chefin Nadja Fuß nicht entgangen, wie sie lachend bestätigt, während sie einem achtjährigen Jungen zeigt, wie er an einer modernen Computer-Nähmaschine ein Reißverschlussbeutelchen herstellen kann.

Und Lena? Die hat es endlich geschafft, ihre Mama zum Trapez neben dem Mitmachzirkus Paletti zu locken. Für eine Vierjährige ist die Kistenrutschen-Prinzessin offenbar nicht nur unermüdlich, sondern auch ganz schön mutig. Da nickt Lena so kräftig, dass der blonde Zopf auf und ab wippt: „Ich werde ja auch schon bald fünf.“ Das erklärt natürlich alles.

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