Mannheim

Fasnacht Bürgersitzung im Oststadttheater mit ungewöhnlichem Gesangs-Auftritt von Dirk II.

Prinz als kokette Babette

Archivartikel

„Hammer! Hammerhart!“, staunte nicht allein die Stadtprinzessin Daniela I.: Hochhackige Damenschuhe, Strümpfe, kurzes Kleid, Perücke – so hatte nicht nur sie ihren Prinzen noch nie gesehen. Bei der Bürgersitzung im Oststadttheater am Rosenmontag zum Abschluss der Kampagne zeigte sich Dirk II. mit dem Song und in der Rolle der „Babette vom Jumbo Jet“ von Evelyn Künneke mal von einer ganz anderen Seite – als singender Travestiekünstler.

„Ich hoffe, Ihr schämt Euch net“: Ein bisschen entschuldigt sich der Prinz sogar für den koketten Auftritt. Dabei kommt er hervorragend an – wie (fast) alles an diesem Abend im schon seit Wochen restlos ausverkauften Bürgersaal im Stadthaus N 1.

Als Thomas Gottschalk im Harlekins-Kostüm, im Stil einer Fernsehshow mit Quizeinlagen, präsentiert hier Ex-Prinz und Feuerio-Elferrat Oliver Althausen als wunderbar locker-sympathischer Moderator Beiträge von sieben verschiedenen Karnevalsvereinen. Die sind es wirklich alle wert, auch mal außerhalb der Vororte gezeigt zu werden. Ihm assistieren Schauspieler Knut Frank vom Oststadttheater und Lukas Rösch, sonst „Büttel“ der Feudenheimer „Narrebloos“ und als – so Althausen – „närrischer Leiharbeiter“ erstmals in der Stadt im Einsatz.

Starke „Stichler“

Initiiert hat die Bürgersitzung der CDU-Kreisverband, der damit an die – kurze – Tradition der Fasnachtsempfänge der CDU-Gemeinderatsfraktion anknüpfen wollte. Aber von der Partei ist an dem Abend kaum etwas und kaum jemand zu sehen – abgesehen von einer im Vergleich zu den vielen anderen hervorragenden Programmbeiträgen verzichtbaren Doppelbütt des CDU-Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel und des CDU-Fraktionschef Claudius Kranz.

Mohrenköpfe für alle

Der Rest des Abends ist prima und sorgt für klasse Stimmung im Saal. Das „Spargelstecher“-Tanzpaar Hannes Bachstein und Edanur Öz zeigt nicht nur einen gekonnten Auftritt, sondern übernimmt ebenso gekonnt die Begrüßung. Zudem wirbeln noch die Mariechen Luisa Bruckner („Lallehaag“) und Angelina Karr (Feuerio) über die Bühne.

Richtig stark vertreten sind die Sandhofener „Stichler“: Begeisterung löst ihr Tanzmariechen Michelle Wolf mit rasanter Choreographie und vielen akrobatischen Figuren aus, ebenso der Garde- und der aufwendige Schautanz. „Stichler“-Prinzessin Michelle I. schließlich erweist sich als tolle, singende Ergänzung der „Drei Prinzen“ vom Feuerio, die sich erneut als fröhlich-mitreißende Stimmungsmacher bewähren. Drei brillante Bütten runden den Abend ab: Protokoller Alexander Fleck hat seinen Beitrag erneut aktualisiert und kritisiert unter heftigem Beifall den „Sarottimohr“-Kompromiss im Capitol. Danach genießt das ganze Publikum demonstrativ vom „Mohrenköpfle“ gestiftete Mohrenköpfe.

Ganz hervorragend kommt ebenso Jessica Weber als prächtige Parodie der Trump-Tochter an. Als herrlicher, mit „Zugabe“-Rufen bedachter Lacherfolg erweist sich die Bütt von Irmi Benz von der Feudenheimer Frauenfasnacht, die pfiffig-ironisch ihre bisher erfolglose Beziehungssuche schildert.

„Eine wirklich wunderbare Sitzung, das Publikum ist fantastisch. Ich komme wieder“, kann da Thomas Barth, Heidelberger Symbolfigur „Perkeo“, nur sagen. Er erinnert an seine Besuche im Oststadttheater mit Elsbeth Janda und verabschiedet sich singend, passend zum Tag: „Am Rosenmontag bin ich geboren. . .“.