Mannheim

Sauberkeit Hundehalter sollen verpflichtet werden, beim Gassi gehen künftig einen Beutel für die Hinterlassenschaften der Vierbeiner dabei zu haben

Pro & Kontra: „Tütchenzwang“ – sinnvoll oder nicht ?

Archivartikel

Die Stadtverwaltung will ihre Polizeiverordnung ändern und Hundehalter verpflichten, beim Gassi gehen eine Tüte für den Kot ihrer Tiere dabei zu haben und auf Verlangen vorzuzeigen. Ein sinnvolles Mittel im Kampf gegen Hundehaufen? Die Meinungen in unserer Redaktion gehen auseinander.

Pro

Von unserem Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber

Klar – manche werden jetzt die Frage stellen, wie man kontrollieren will, dass Hundehalter beim Gassi gehen ein Kottütchen dabei haben. Sie werden spezielle Fälle skizzieren wie zum Beispiel diesen: Was ist, wenn ein Hundehalter mit seinem Tütchen gerade den Haufen seines Lieblings im Mülleimer entsorgt hat und dann ohne Tütchen angetroffen wird? Allen diesen Einwänden zum Trotz ist die Pflicht zum Mitführen eines Beutels dennoch sinnvoll. Warum? Weil man alles versuchen muss, was irgendwie erfolgreich sein könnte im Kampf gegen Hundehaufen.

Natürlich gibt es viele Halter, die die Hinterlassenschaften ihres Lieblings wegmachen. Aber es sind leider immer noch viel zu viele, die sich einen Dreck darum scheren. Dabei gibt es nur wenig Ekligeres als in einen Hundehaufen zu treten und sich dann auf die Schnelle, meist ohne Putzutensilien, den Dreck aus der Schuhsohle kratzen zu müssen. Die Polizeiverordnung verpflichtet Hundeführer zwar schon jetzt, den Kot wegzumachen. Aber um jemanden zu belangen, müssen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes genau in dem Moment da sein, wenn der Hund das Häufchen macht. Bei der geplanten Neuregelung dagegen können sie einfach kontrollieren, ob der Halter ein Tütchen dabei hat. Und wer eines hat, wird es hoffentlich nutzen.

Vielleicht führt der Zwang ja zu einem Wandel, wie bei der Anschnallpflicht im Auto. Die kann man auch nicht ständig kontrollieren. Aber seit ihrer Einführung legen fast alle den Gurt an. Bei Hundekot geht es zwar nicht um Leben und Tod – aber um ein besseres Miteinander.

Kontra

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Mack

Um Missverständnissen vorzubeugen: Verantwortungsvolle Halter haben stets von selbst ein Tütchen dabei und nehmen die Hinterlassenschaft ihres Hundes mit. Aber es gibt auch andere. Der Mensch ist, wie er ist. Und weil er so ist, sind Vorschriften, deren Einhaltung niemand kontrolliert, nicht mal das Papier wert.

Ergo muss die Stadt ihre Kottüten-Pflicht vom Kommunalen Ordnungsdienst überwachen lassen. Hätte der nichts Sinnvolleres zu tun? Zumal Debatten mit Hundehaltern, was genau ein zur Entsorgung „geeignetes Hilfsmittel“ ist, zeit- und nervenaufwendig sein dürften. Gleiches gilt, wenn jemand angibt, er habe schon ein volles Tütchen in den Müll geschmissen. Sollen dann Abfalleimer durchwühlt werden?

Sicher: Die drohenden Bußgelder werden einige Hundehalter, die das bisher nicht getan haben, zum Mitnehmen von Kottüten bewegen. Diese lassen sich ja auch problemlos einstecken oder an der Leine befestigen. Aber das garantiert noch lange nicht, dass man sich im Ernstfall tatsächlich bückt, die Hinterlassenschaften seines kleinen Lieblings zusammenklaubt und sie – warm und dampfend – durch die Gegend trägt. Im Gegenteil: Einige Frauchen und Herrchen, die sich nun unnötig gegängelt fühlen, dürften im Zweifel erst recht mit geistig gestrecktem Mittelfinger einfach weitergehen.

Nein, alarmistischer Aktionismus gegen Hundekot bringt nichts. Weitaus sinnvoller wäre (das haben wir hier schon mal diskutiert), an beliebten Gassirouten am Rande des Stadtgebiets ausreichend Abfalleimer aufzustellen. Daran fehlt es oft.

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